Eine Collage von Bildern aus Albanien

Albanien -unser Road-Trip Teil I

Sightseeing und Abenteuer

In der ersten Woche unseres vierwöchigen Albanien-Road-Trips haben wir viel gesehen und erlebt. Hier ist der erste Teil unseres Reiseberichts…

Über Kufstein, Kitzbühel, Pass Thurn, Felbertauern erreichen wir am Freitag, den 11.08.2017 gegen 20:00 Uhr den Plöckenpass. Obwohl wir bereits um 12:00 Uhr gestartet waren, haben uns etliche Staus rund um München „erwischt“. Wir übernachten hier. Maria hat bereits zuhause vorgekocht. Wir lassen es uns also schmecken, ignorieren den leichten Regen und gehen bald schlafen.

Kleiner Pal, Mahnmal am Plöckenpass, eine Wanderung

Samstag, 12.08.2017
Strahlender Sonnenschein begrüßt uns am nächsten Morgen. Wir wollen zunächst eine kleine Wanderung machen, denn wir stehen auf historischem Boden. Bereits die Kelten nutzten diesen Pass, der durch die Römer als Via Julia Augusta weiter ausgebaut wurde. Mit der Kriegserklärung Italiens am 23.05.1915 an Österreich-Ungarn, wurde der einzige fahrbare Übergang in den Karnischen Alpen Schwerpunkt der kriegerischen Auseinandersetzung. Im Spätherbst 1917 mussten die Italiener dem österreichisch-deutschem Druck nachgeben und die karnische Front räumen.


Das Gebiet des ehemaligen Frontverlaufs ist heute ein Freilichtmuseum der Dolomitenfreunde. Ein beschilderter Wanderweg führt vom Plöckenpass-Parkplatz zu den ehemaligen Stellungen rund um den Gipfel des kleinen Pals. Der Weg lohnt, zeigt er doch auf eindrückliche Weise die Sinnlosigkeit dieses Krieges und außerdem führt er uns durch großartige Landschaft.

Um den kleinen Pal herum besichtigen wir nach einem ca. 40 Minütigen Aufstieg die restaurierten Verteidigungsstellungen, die den gesamte Berg einnehmen.

Die Wanderung haben wir als Rundweg durchgeführt, und so sind wir gegen 13:30 Uhr zurück am Wohnmobil.

Den Link zum Download des GPS-Tracks dieser Wanderung findest Du hier

 

Übernachtungsplatz Krka-Wasserfälle

Nach einer kurzen Erfrischung fahren wir weiter, unser heutiges Ziel sollen die Krka-Wasserfälle sein. Ein schöner Stellplatz, den wir von unserer Reise letztes Jahr kennen, erwartet uns hier.
Doch bis dahin ist es noch ein Stück. Die Grenzabfertigungen verlaufen zügig bei der Einreise nach Slowenien, sowie nach Kroatien. Vermutlich steht die große Reisewelle noch im deutschen oder österreichischen Stau…
Auf Höhe von Starigrad schüttelt uns mal wieder die Bora durch, ansonsten verläuft die Fahrt unspektakulär. Gegen 21:30 Uhr und 560 Kilometer später rollen wir auf den Platz.

Neben einer zeltenden Jugendgruppe sind wir die einzigen Gäste. Maria und Christian sorgen fürs leibliche Wohl…
GPS-Koordinaten des Stellplatzes Krka-Wasserfall: N43°47′ 30“ E15° 58′ 13“

 

Von Kroatien über Bosnien Herzegowina nach Kroatien

Sonntag, 13.08.2017
Die Krka-Wasserfälle waren schon letztes Jahr ein Ziel von uns, wir lassen sie daher dieses Jahr „links liegen“. Relativ zügig brechen wir nach geruhsamer Nacht in Richtung unseres heutigen Ziels, Dubrovnik, auf. Vorbei geht es an Ploce und der Halbinsel Peljesac, auf der wir letztes Jahr in Loviste schöne Urlaubstage verbracht haben.

An der Grenze zu Bosnien Herzegowina stehen wir für ca. 30 Minuten. Etwa genauso lange benötigen wir durch den schmalen Korridor, den dieses Land hier am Meer besitzt. Schnell sind wir also wieder in Kroatien.

Gegen halb drei erreichen wir den Campingplatz Kate (GPS-Koordinaten: N42°37’28“ E18°12’28“). Es ist ein kleiner einfacher Platz, in einem Obstgarten oberhalb des Meeres gelegen.

Camping Kate liegt in der Ortschaft Mlini, etwa 7 Kilometer südlich von Dubrovnik am Hang eines Berges. Über mehrere Stufen gelangt man in den bei Urlaubern beliebten Ort, mit seiner schönen Hafenpromenade. Von hier aus fahren alle 30 Minuten Boote nach Dubrovnik.

Die Tickets für die morgige Bootsfahrt können wir bereits heute am Campingplatz kaufen – sehr praktisch!
Wir richten uns erst einmal ein, nutzen den Nachmittag für ein erstes Bad und erkunden den Ort. Für den Abend haben wir uns die hübsche, etwas abseits gelegene Konoba Marinero  ausgesucht. Es war die richtige Wahl. In nettem, ruhigem Ambiente genießen wir unser leckeres Essen…

 

Dubrovnik, ein erster Besuch

Montag, 14.08.2017
Um 09:00 Uhr sind wir am Fähranleger. Und los gehts …

Vierzig Minuten später betreten wir, vom alten Hafen durch ein Stadttor kommend, Dubrovnik. In meiner Fantasie habe ich mir die UNESCO-Welterbe-Stadt völlig anders vorgestellt. Überraschend ist, dass wir zunächst am Scheitelpunkt zweier großer, gerader, offensichtlich die gesamte Stadt durchlaufender, Straßen stehen, ich hatte eine Altstadt mit vielen verwinkelten Gassen erwartet.

Zunächst wollen wir uns orientieren, besorgen uns einen Stadtplan und die sogenannte Dubrovnik-Card, mit der wir einige Sehenswürdigkeiten günstiger besuchen können.

Als erstes umrunden wir die Stadt auf der Stadtmauer. Noch hält sich der touristische Ansturm in Grenzen, so dass wir die sich uns bietende Aussicht auf die Stadt in Ruhe genießen können…

Die etwa zwei Kilometer lange, sechs Meter dicke und teils 25 Meter hohe Stadtmauer ist das Wahrzeichen der Stadt und das am besten erhaltene defensive mittelalterliche Befestigungssystem Europas.

Leider stellt sich heraus, dass einige Sehenswürdigkeiten, die in der Dubrovnik-Card inkludiert wären, montags geschlossen sind, so z. B. das Maritime Museum im St. John Fort.

Wir besuchen das Kulturhistorische Museum im Rektorenpalast. Hier gibt es in verschiedene Räume eine numismatische Sammlung Dubrovniker Münzen, Siegel, Gewichte, sowie eine Sammlung von Uhren, Möbel, Portraits bekannter Dubrovniker Persönlichkeiten, Uniformen, Inventar aus der Domus Christi Apotheke und verschiedene Arten von Waffen zu sehen.

Der Große Onofrio-Brunnen (erbaut von Onofrio della Cava 1438) mit seinen 16 Wasserspeiern ist unser nächstes Ziel, bevor wir die Erlöserkirche Sveti Spas, sowie das Franziskanerkloster mit der Franziskanerkirche (Franjevacki samostan, Mala braca) besuchen. Hier beeindrucken uns der schöne Kreuzgang und die mittelalterliche Apotheke aus dem Jahr 1317. Sie ist genauso alt wie das Gebäude und eine der ältesten Apotheken Europas. Als einzige Apotheke in der Altstadt ist sie immer noch in Betrieb.

Anschließend statten wir die Kathedrale Velika Gospa einen Besuch ab. Sie ist Bischofskirche des Bistums Dubrovnik.

Wir schlendern durch die teils schmalen Gassen mit ihren zahlreichen Baudenkmälern aus Mittelalter, Barock und Renaissance, schlemmen ein Eis, lassen die Stadt auf uns wirken und versuchen die wachsenden Menschenmassen auszublenden.

Am späten Nachmittag bringt unser Boot drei müde Touristen zurück zum Campingplatz.
Wir kochen, spielen eine Partie WIZZARD und planen den morgigen Tag.

 

Die Bucht von Kotor, ein Top-Ziel in Montenegro

Dienstag 15.08.2017
Kurz vor 06:00 Uhr wache ich auf. Nachdem wir schon am Abend alles gepackt und bezahlt haben, sind wir bereits um 07:00 Uhr Richtung Montenegro unterwegs. Knappe 40 Minuten später stehen wir an der Grenze und warten und warten und warten…
Es sind nur ca. 10 Fahrzeuge vor uns, jedoch lässt sich der Grenzbeamte unverschämt viel Zeit. Nach über einer Stunde sind wir mit gestempelten Pässen in Montenegro.

Unsere dumme Petra (unser Navi) hat entdeckt, dass es in der nächsten Ortschaft eine Küstenstraße gibt, die wohl 3 Meter weniger zu unserem nächsten Ziel benötigt, als die Hauptroute. Leider folge ich dem Kommando „jetzt rechts abbiegen“. Die Strand-Bade-Küstenstraße erwacht gerade zum Leben, entsprechend chaotisch geht es zu…

Zurück auf der Hauptstrecke bewegen wir uns immer weiter in die Bucht von Kotor hinein, dem größten Fjord Südeuropas. Landschaftlich ausgesprochen sehenswert! Gute 40 Kilometer fahren wir entlang dieser Meeresbucht, bis wir die alte mediterrane Handels- und Hafenstadt Kotor erreichen.


Wegen seiner bedeutenden kulturhistorischen Bauwerke und seiner Lage wurde Kotor 1979 in das UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe aufgenommen. Die Stadt ist Sitz eines katholischen Bistums und Zentrum der serbisch-orthodoxen Christen Montenegros.

Der Naturhafen bot und bietet günstigen Schutz, was die Begehrlichkeiten vieler Völker weckte, die in den Jahrhunderten von der Stadt Besitz ergriffen. Illyrer, Griechen, Römer und Venezianer hinterließen hier ihre Spuren.

Heute nutzen Kreuzfahrtschiffe den Naturhafen, so lag bei unserem Besuch die RMS Queen Mary 2 monströs im Hafen vor Anker und sorgte für ein surreales Bild.

Kotor begeistert durch seine Altstadt und eine Befestigungsanlage, die sich darüber am Berghang entlangzieht.
Unser WoMo muss auf einem bewachten Großparkplatz (GPS N42°25’39.1″ E18°46’06.9″E) auf uns warten bis wir sowohl die Burg, als auch die Altstadt erkundet haben.
Der Blick auf den Fjord von der Burg aus ist traumhaft schön.


Leider ist die Stadt ziemlich stark von (Kreuzfahr-)Touristen frequentiert, trotzdem lohnt sich ein Besuch.

Bevor wir weiterfahren stärken wir uns noch etwas in einer kleinen Konoba, an einem der kleinen quirligen Plätze. Hätten wir gewusst, was uns erwartet, wir wären länger sitzen geblieben.

 

Wir erreichen Albanien am Skutarisee (Shkodra-See)

Auf der Landstraße nach Budvar stehen wir ca. eineinhalb Stunden alternativlos im Stau. Erst kurz vor Budvar können wir abbiegen und dem Wegweiser Podgorica folgen. Eine Abzweigung weiter biege ich fälschlicher Weise erneut links ab. Mangels einer Wendemöglichkeit bleiben wir jedoch auf dieser wenig frequentierten Straße, die uns über einen Pass und die Berge führt.
Bei Virpazar am Skutarisees (Shkodra-See) treffen wir wieder auf die ursprüngliche avisierte Straße. Sie führt auf einem Damm über den Skutarisee. In einem Sumpfgebiet linker Hand fahren Ausflugsschiffe, die wie vietnamesische Dschunken aussehen, überhaupt erinnert hier die Landschaft auch ein bisschen an Vietnam. Die Temperaturen von 45°Grad tragen ihr Übriges dazu bei.

Die Hauptstadt Montenegros, Podgorica, lassen wir links liegen. Wir kürzen über einen besseren Feldweg die Strecke ab und erreichen kurz darauf die Albanische Grenze bei Hani i Hotit.

Mireservini ne Shqiperi (Willkommen in Albanien)

Welcome to Albania steht auf dem Container, in dem der Grenzbeamte sitzt.

Zehn Minuten später umrunden wir die ersten albanischen Kühe, die auf der neuen Schnellstraße Richtung Shkodra liegen.
Dank unsers Navis finden wir in Shkodra relativ schnell einen Geldautomaten und lassen uns etliche Leks, die hiesige Landeswährung, ausspucken. An unserem heutigen Ziel, dem WoMo-Stellplatz „Lake Shkodra Resort“ sind wir bereits vorbeigefahren, daher geht es jetzt erst einmal wieder ein paar Kilometer zurück. Die eineinhalb Kilometer lange Zufahrtsstraße zum Stellplatz ist unsere erste Berührung mit albanischen unbefestigten Straßen, es soll nicht die letzte sein…

 

Ausspannen im Lake Shkodra Resort

Der Stell-/Campingplatz liegt, wie der Name schon sagt am Shkodrasee.
Wir trauen unseren Augen kaum. Wie von Geisterhand öffnet sich ein elektrisches Tor, als wir ankommen und gibt den Blick frei auf eine top gepflegte Rasenfläche, durchzogen von einem sauber gekiesten Weg. Am Ufer des Sees ist ein Strand mit Sand aufgeschüttet, Liegestühle mit Strohschirmen laden zum Verweilen ein. Links und rechts der dem See zugewandten Rasenfläche spenden Schilfdächer Schatten für die darunterliegenden Stellplätze. Unglaublich! Ich hatte von diesem Stell-/Campingplatz gelesen, mir aber nichts Besonderes erwartet. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dieser Platz zu einem der besten in Europa gehört.


Er ist gut besucht und fest in deutscher Offroader-Hand. Selten haben wir so viele Offroadfahrzeuge gesehen wie hier. Das Gelände ist jedoch so groß, dass es kein Problem gibt einen schönen Platz zu finden…

Lake Shkodra Resort, GPS-Koordinaten N 42 08.302/E 19 27.938

Am Abend besuchen wir das platzeigene Restaurant und essen zum ersten Mal bodenständiges albanisches Essen. Wir lassen uns eine Meze-Platte mit gegrilltem Gemüse, Theti-Bohnen, albanischem Joghurt, sauer-scharf eingelegten Paprika und grünen Tomaten, Reis und albanisches Fladenbrot auftischen. Dazu essen wir eine Platte gegrilltes Fleisch für zwei Personen trinken Wasser und viel zu viel exzellenten Rotwein dazu. Den unschlagbar günstigen Preis, den wir dafür in € zahlen, wage ich hier kaum hinzuschreiben. –Es waren weniger als 35,– €, so viel sei verraten.

Mittwoch 17.08.2017
Den heutigen Tag „verchillen“ wir am See. Zuerst jedoch mieten wir uns ein Kanu, sowie ein SUP (Stand-UP-Paddel-Board) und erkunden das Seeufer.

Lustig ist, dass ein paar Kühe zur „Abkühlung“ im 30° Grad warmen Wasser stehen. Bei 42°Grad Außentemperatur bringt das anscheinend was…

Nicht nur Kühe bevölkern das Seeufer. In unmittelbarer Nähe zieht eine Schafherde entlang, Enten, Möwen und Reiher bevölkern das Seeufer. Ein Eselsgespann kommt, um zu trinken, vorbei.
In einiger Entfernung wäscht ein Albaner seinen alten 123-Mercedes am Seestrand…, während vor uns im Wasser eine Wasserschlange ihre Bahn zieht…

Der Skutarisee (auch Shkodrasee oder Skadarsee; albanisch Liqen/-i i Shkodrës; serbisch und montenegrinisch Skadarsko Jezero Скадарско језеро) ist der größte See des Balkans. Mit 370km2 ist er genauso groß wie der Gardasee und teilt sich mit diesem den ersten Platz als größter See Südeuropas. An der Südostspitze des Sees liegt die Stadt Shkodra, daher der Name. Etwa zwei Drittel der Fläche des Sees gehören zu Montenegro, das übrige Drittel zu Albanien. Das bis zu 1600 Meter hohe Gebirge Rumija trennt ihn Richtung Südwesten von der nur 20 Kilometer entfernt liegenden Adria ab. An seiner Nordostseite wird er von einem weiten, teilweise versumpften Flachland umgeben.

Am Abend gehen wir erneut Essen. Ich wähle Risotto, Maria isst gegrilltes Gemüse mit Meeresfrüchten und Christian entscheidet sich für Pizza. Eine Bruscetta sowie ein Schokoladenkuchen zum Nachtisch wechseln den Besitzer. Wie schon am Vorabend ist das Essen richtig gut. Der fabelhafte Sonnenuntergang und der Blick auf den See tragen ihr übriges für einen gelungenen Abend bei.

 

Ura e Mesit, die osmanische Brücke von Mes

Donnerstag, 18.08.2017
Wir brechen auf, bezahlen noch 36;–€ Stellplatzgebühr für die zwei Nächte und fahren für eine Stadtbesichtigung nach Shkodra. Vorher jedoch biegen wir noch kurz nach links Richtung Mes ab und sehen uns die Ura e Mesit, die Brücke von Mes an. Hierbei handelt es sich um eine osmanische Bogenbrücke, die vermutlich im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Sie überquert den Fluss Kir, der hier aus den Bergen in die Küstenebene rund um Shkodra tritt.
Die Ura e Mesit ist die bedeutendste und am besten erhaltene Brücke aus türkischer Zeit in Albanien. Sie ist 108 Meter lang und besteht aus 15 Bögen, wobei der mittlere Bogen bis zu 18 Meter hoch ist. Sie war Teil einer Handelsroute, die von Shkodra entlang des südlichen Rands der Albanischen Alpen nach Kosovo führte – ein Weg, den schon die Römer benutzten und der noch bis 1944 mit Maultieren begangen wurde.

Die Brücke ist architektonisch sehenswert und auf jeden Fall einen Besuch wert. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit anderen Bauten vermutet man, dass die Brücke Ende des 18. Jahrhunderts vom Shkodraner Pascha Mehmed Bushati erbaut wurde, der in dieser Zeit diverse Straßen ausbessern ließ. Leider führt der Fluss bei unserem Besuch kein Wasser.

 

Shkodra, nordalbanische Metropole mit Flair

Nach diesem kurzen Besuch geht es endlich nach Shkodra (serb./monten. Skadar Скадар), einer der ältesten Städte in Albanien, im 4. Jahrhundert vor Christus gegründet.
Faszinierend, dass hier alles durcheinander wuselt und fährt. Fahrräder fahren hier in großer Anzahl auch auf der verkehrten Straßenseite, kommen einem also auf der Fahrbahn entgegen, ebenso Eselsgespanne, die es hier auch noch reichlich gibt…

In der Rh. Edith Durham Straße parken wir vor dem Hotel „Tradita“. An der Rezeption frage ich, ob es in Ordnung sei, wenn wir hier ein bis zwei Stunden stehen blieben. Es ist in Ordnung, – der Parkplatzwächter passt auf die Fahrzeuge der Hotelgäste und unser WoMo auf.

Shkodra ist in Albanien ein wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum, aber auch Zentrum des albanischen Katholizismus und moderne Universitätsstadt.
Der 2400 Jahre alte Ort schützte die Handelswege auf den Flüssen Drin und Bruna und wurde im 3. Jahrhundert vor Christus die Hauptstadt von Illyrien. Später von den Römern, im Mittelalter von serbischen Fürsten- und Adelsgeschlechtern und der Republik Venedig erobert, fiel Shkodra 1479 an die Osmanen.
Im 20 Jahrhundert stand Shkodra unter österreichischem, nach dem 1. Weltkrieg unter französischem Einflusswurde. 1920 wurde die Stadt Teil des jungen Staates -Albanien.

Wir schlendern durch das quirlige Shkodra, sehen uns die Katholische-Kathedrale (Katedralja Katolike) St. Stefan, die Moschee Xhamia e Madhe sowie die Franziskanerkirche Kisha Françeskane beim Mutter-Theresa-Platz an.
Entdecken den Markt, auf dem alles Essbare, egal ob lebend oder nicht, angeboten wird. Gemüse, Obst, Ziegenkäse und einer Shkodra-Wurstspezialität wechseln den Besitzer und wir zahlen das erste Mal in Lek.

Etwas planlos reiche ich dem Verkäufer meinen 5000 Lek-Schein über den Tresen. 350 Lek will er für das riesige Stück Ziegenkäse haben. Um die 5000,– Lek „klein“ zu bekommen, werden jetzt mehrere Händler aktiviert, bis ich am Ende meine 4650,– Lek rausbekomme. Gleich fünf Ringe der Shkodra-Wurst wandern in eine Tüte, als wir klarmachen, dass wir gerne davon hätten. Da wir keine Großfamilie ernähren müssen, überzeugen wir den Metzger davon, vier Würste wieder auszuladen. Er wusste wie lecker seine Würste sind, wir hätten auch alle fünf Ringe in den nächsten Tagen „vernichtet“.

Eigentlich ist die Stadt ein einziger großer Markt. In der Rruga Martin Camaj, einer der Hauptstraßen Shkodras, stehen Händler an Händler und verkaufen von Gemüse über Fisch und Tabak alles, was sich verkaufen lässt. Sogar gebrauchte Schuhe werden im großen Stil gehandelt.

Shkodra ist sehenswert! Mit seinen engen Gassen und weiten Alleen, seinen alten und modernen Häusern, mit seinen Kirchen und Moscheen, mit fliegenden Händlern und modernen Geschäften, mit seinem chaotischen Verkehr aus Mercedesmodellen aller Baureihen, Fahrrädern und Eselskarren, mit armer Landbevölkerung und modernen jungen Studenten, zeigt es sehr eindringlich die Gegensätze Albaniens. Besonders deutlich wird dies als später an einer Ampel vor uns ein Eselsfuhrwerk und daneben ein albanischer Porsche Cayenne stehen…

Die Festung Rozafa

Auf einem Hügel, steil über der Buna, zwischen den Flüssen Buna und Drin, liegt die Burgruine Rozafa unser nächstes Ziel, das wir mit unserem WoMo ansteuern.
Die Ursprünge der Burg gehen auf die vorrömische Zeit der Illyrer zurück und von hier aus entstand die Stadt Shkodra. Bis in die Neuzeit bestimmte die Burg die Geschicke der Stadt. Strategisch günstig gelegen, kontrollierte sie die wichtigen Verkehrswege zu Land und zu Wasser, sowie die Brücken.

Bis zu ihrer Eroberung im Jahr 1913, wurde die Burg von der osmanischen Armee militärisch genutzt. Mit Ausnahme der Befestigungsmauer sind die meisten Gebäude der Burg zerstört.

Ein Rundgang führt uns durch die Anlage. Von hier schweift der Blick über die Stadt, die Flüsse, den Shkodrasee sowie die dahinterliegenden Gebirgsketten. Am nördlichen Fuß des Burgbergs lag über Jahrhunderte auf einem schmalen Uferstreifen das Basarviertel Shkodras. Jetzt hausen hier Roma in einem Lager.

Auch heute ist es wieder über 40°Grad heiß, so dass wie es nicht lange auf dem Rozafa-Hügel aushalten und uns ins kühle Wohlfühlklima unseres Wohnmobils flüchten.

Ein neues Ziel wartet auf uns und das Abenteuer Albanien nimmt seinen Lauf…

 

Koman-Stausee, ein Highlight Albaniens

Eines der Highlights Albaniens ist eine Fahrt auf dem Koman-Stausee. Dieses wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Eine Personenfähre, die auch Fahrräder und Motorräder transportiert sowie zwei Fahrzeugfähren verkehren täglich auf dem See von Koman nach Fierza. Die Fähren erschließen den Nordosten Albaniens mit der Stadt Bajram Curri und der Region von Tropoja.

Zum Koman gelangt man auf einer ziemlich kurvigen, desaströsen, teilweise völlig ungesicherten und rumpligen Bergstraße. Zunächst noch asphaltiert, verliert sich der Asphalt je höher und näher wir dem Koman-Stausee mit seiner 115 Meter hohen Staumauer kommen.

Rund zwei Stunden benötigen wir für die knapp 54 Kilometer landschaftlich reizvoller Strecke durch die Schlucht des Drin bis zum Campingplatz „Camping Natura“. GPS-Koordinaten: N42°05’58.2″ E 19°49’00.8″

Hierbei handelt es sich um einen kleinen, sehr einfachen –wir sind froh, die Sanitäranlagen nicht nutzen zu müssen-, Campingplatz, direkt am Ufer des Drin und einer ihn überspannenden maroden Brücke. Es gibt ein kleines Lokal, sowie ein paar einfache Zimmer. Sowohl Lokal als auch Zimmer sind unter die Brücke gebaut. Diese bildet sozusagen die Zimmerdecke –abenteuerlich.

Der kleine schlitzohrige Betreiber nimmt 10,–€ für die Nacht und vermittelt auch Tickets für die Fährüberfahrt auf dem Koman, was sich jedoch noch als spannend herausstellen wird.

Im Laufe des Nachmittags gesellen sich noch zwei weitere Wohnmobile zu uns bzw. ein VW- und ein Mercedes-Bus. Die VW-Busbesatzung war bereits am Fähranleger, hat jedoch für den Folgetag kein Ticket erhalten.
Marco, der Campingplatzbetreiber erklärt sich bereit, sich um die Tickets zu kümmern…

Nach mehrmaligem Nachfragen, denn irgendwie passiert nichts, erscheint plötzlich ein junger Mann. Er ist, wie sich schnell herausstellt der Betreiber der einen Fähre und stellt uns exklusiv zu exklusivem Preis die begehrten Fährtickets aus. Der große Mercedes-Bus und wir sind jeweils 80,–€, der VW-Bus 60,–€ los –Angebot und Nachfrage bestimmen nun mal den Preis.
Uns wird eingeschärft nicht später als 08:00 Uhr am nächsten Morgen am Fähranleger zu stehen.

Da wir keine Lust auf Kochen haben, beglücken wir noch das „Brückenlokal“. Das Essen ist sehr gut. Das erst geschlachtete Schwein hängt noch in der Küche,-nichts für Vegetarier-. Fast noch besser ist der selbst gekelterte Rotwein, vom Rakia ganz zu schweigen…

Freitag, 19.08.2017
Um 07:30 Uhr verlassen wir unseren Übernachtungsplatz und rumpeln die zwei Kilometer lange Schotterpiste oberhalb des Koman-Kraftwerkes bergauf Richtung Fähranleger. Rechts rückt kurz darauf die Staumauer in unser Blickfeld.

Der Koman-Stausee (albanisch Liqeni i Komanit) ist durch das Aufstauen des Drin entstanden. Gebaut wurde die Staumauer in der Schlucht von Malgun (gryka e Malgunit) als Steinschüttdamm mit Betonaußenschicht in den Jahren 1980 bis 1988. Sie staut einen See von zwölf Quadratkilometern Fläche. Das angeschlossene Wasserkraftwerk hat eine Leistung von 600 MW und war nach seiner Fertigstellung das größte Wasserkraftwerk in ganz Südosteuropa.

Neben der Staumauer führt uns die Straße in den Berg hinein. Ein enger unbeleuchteter grob aus dem Felsen herausgeschlagener Tunnel nimmt uns auf. Am Tunnelausgang ein kleiner Platz… und dann plötzlich liegt er da, der Koman-Stausee. Hellgrünes Wasser, begrenzt von gewaltigen Steilfelsen.

Wider Erwarten sind wir nicht die Ersten. Etliche Kleintransportern, PKW und zwei Caravans steht bereits in Reihe geparkt auf der engen Kaimauer. Die Fahrer sitzen auf den Aussichtsterrassen der zwei an den Felsen angebauten Gebäude und trinken Espresso.
Der junge Mann vom Vorabend weist mich sofort an, rückwärts auf die Fähre zu fahren. Nach etlichem Hin und Her, irgendwie wollen mich die Einweiser immer gegen einen Betonpflock fahren lassen, den ich zwar sehe, für sie aber unsichtbar zu sein scheint, wird die Fähre mit langen Stangen um zwei Meter verschoben. Jetzt geht es.

Kaum stehen wir, kommen unsere Campingplatznachbarn mit ihrem Mercedesbus und werden ebenfalls rückwärts verladen. Den weiteren Verladevorgang zu beschreiben erspare ich mir, nur so viel sei gesagt –Chaos hoch zehn…
Neben uns nimmt einer zweiten Fähre ebenfalls PKWs und Passagiere auf. Das letzte Fahrzeug, das verladen wird, steht auf der heruntergelassenen Rampe.

Pünktlichst um 09:00 Uhr legt die Fähre ab. Schon wenige Minuten später tuckern wir durch eine Welt, die an Schönheit und Unberührtheit ihresgleichen sucht.

Im Bereich des Koman-Stausees hat der Drin tiefe Schluchten in die Berge der Albanischen Alpen geschaffen. Wie ein langer Schlauch zieht sich der See, teils von mehreren 100 Meter hohen Felsen umgeben, nie breiter als 400 Meter und an engster Steller knapp 50 Meter breit, über 34 Kilometer durch das schmale Tal des Drin. Die Überfahrt ist wegen der Passagen, die an norwegische Fjorde erinnern, mittlerweile bei Touristen sehr beliebt. Bis zu 1500 Meter Höhe erheben sich die Berge im Umkreis. An vielen Stellen zwängt sich die Fähre förmlich durch die steil abfallenden Bergflanken, um kurz darauf den Blick auf hübsche Almplätze freizugeben.

Man durchfährt eine menschenleere Gegend, möchte man meinen; doch nach einer halben Stunde Fahrtzeit tauchen vereinzelt kleine Landzungen mit winzigen Häusern und kleinen Siedlungen auf. Auch die Berghänge sind vereinzelt besiedelt. Zwischen den Häusern Weinstöcke, Getreide und Reihen mit angebautem Gemüse – jeder Quadratmeter, der nicht als Wohnfläche dient, scheint hier landwirtschaftlich genutzt zu sein.

Kleinere Boote, die einzige Infrastruktur in dieser Gegend, bringen Bewohner, Tagestouristen und Waren zu diesen abgelegenen Dörfern. Eine dieser Fähren ist besonders originell, es handelt sich dabei um einen zum Boot umgebauten Personenbus.

Unsere Fahrt dauert fast drei Stunden. Endpunkt ist Fierza, wo bei unserer Ankunft drei junge Männer versuchen eine Kuh in ein Boot zu verladen…

Bei der Ausschiffung passiert uns leider ein kleines Missgeschick, die Einweiser sind sich mal wieder nicht einig, dass uns unsere Heckschürze kostet. Gott sei Dank ist es nur austauschbares Plastik.

Landschaftlich überwältigend ist diese Überfahrt auf jeden Fall ein „Muss“ für jeden Albanienbesucher.

Links für weitere Infos findest du am Ende dieses Artikels.

 

Atemberaubende Berge im Tal der Valbona

Wir verlassen Fierza Richtung Valbona-Tal, legen jedoch noch einen kurzen Stopp im Städtchen Bajram Curri ein, um Brot einzukaufen. Nach kurzer Fahrt empfängt uns ein gewaltiger Bergeinschnitt, dessen hinteres Ende das Tal von Valbona und Rrogam bildet.
So schlecht übrigens die Straße zum Koman war, so sehr ist sie hier in Schuss und neu asphaltiert. Sie windet sich entlang der neben ihr fließenden Valbona und führt uns das enge bewaldete Tal empor.

Das Valbona Tal liegt im gleichnamigen Nationalpark (albanisch Parku Kombëtar Lugina e Valbonës), der die unberührte Hochgebirgslandschaft auf der Süd- und Ostseite der Jezerca, dem höchsten Berg Albaniens, sowie das oberen Valbonatal inklusive der Orte Valbona und Rrogam, schützt. Ausgedehnte Wälder liegen an den Flanken dieses Tals. Die höheren Regionen des karstigen Gebirges sind geprägt von alpinen Matten. Der Nationalpark wurde bereits 1966 gegründet und umfasst eine Fläche von 8000 ha. Trotz der abgelegenen Lage, hat sich in den letzten Jahren eine bescheidene touristische Infrastruktur entwickelt.

Unser erster Halt ist das Hotel Rilindja, wo es einen Stellplatz gibt. Dieser sagt uns jedoch nicht so zu, da hier das Tal noch ziemlich steil und eng ist. Wir hatten es uns etwas weitläufiger vorgestellt. Wir fahren also weiter. Ein paar Kilometer weiter oben öffnet sich das Tal und gibt den Blick auf imposante Berge frei.
Zunächst fahren wir erst einmal bis zum Ende der Asphaltierung, wenden dort angekommen am Hotel Lamthi und fahren ca. 1,8 Kilometer zurück. Dort hatten wir ein Schild zu einem „Guesthaus“ weisend gesehen, das uns zusagt. Das Problem ist nur, dass ich dazu das Wohnmobil über das Flussbett bzw. das Geröllfeld der Valbona bringen muss. –Aber es geht. Am „Guesthaus“ angekommen, zeigt uns ein junger freundlicher Mann die Wiese hinter dem Gehöft auf die wir uns stellen können. Noch mal steigt die Spannung ob ich durch das Geröll des Flusses bis dorthin überhaupt komme, aber auch das, ich werde noch zum WoMo-Off-Roader, klappt.

Das Anwesen heißt Kol-Gjorni und entpuppt sich als Bauernhof mit Ferienzimmern und kleinem Lokal. Wir stellen uns unter einen Apfelbaum und richten uns ein.
Der Blick auf die Berge und den Talschluss sind der Hammer. Dieses Panorama könnte auch in der Schweiz liegen…

Noch am späten Nachmittag erkunden Maria und ich die Gegend…

Auf Nachfrage werden wir für das mehrgängige Abendessen mit eingeplant. Zunächst gibt es eine Maissuppe, die sehr an Popcorn erinnert und total lecker ist. Der Hauptgang besteht aus gegrilltem Zicklein mit Salat, Zaziki mit sauer-salzig eingelegten Gurken und Tomaten, sowie Kartoffeln. Ein Nachtisch rundet das Ganze ab.

Wir sind erst eine Woche unterwegs, haben jedoch schon so viel erlebt, und auch heute geht ein ereignisreicher Tag zu Ende, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Gespannt sind wir was die nächsten sieben Tage bringen werden…

Zum Teil II unserer Albanienreise geht es hier

 

Alle Links und Übersichtskarten dieses Artikels:

Freilichtmuseum am Plöckenpass:

Stell- und Campingplätze (Links und GPS-Koordinaten):

Links zum Komanstausee und den Fähren :

Übersichtskarte Dubrovnik bis Koman-Stausee

Übersichtskarte Fierza am Koman-Stausee bis Valbonatal

 

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2 Kommentare bei “Albanien -unser Road-Trip Teil I

  1. Reinhold Schlierf

    Liebe Familie Mehle,
    Das ist ein super Reisebericht. Ein Traum über Albanien, der mein Fernweh noch verstärkt. Freue mich schon auf den 2. Teil.
    Unser Reisemut hat bisher nur bis Budva gereicht.
    Gruß Reinhold Schlierf

    • Hallo Herr Schlierf,
      Vielen Dank für die nette Rückmeldung. Die paar Kilometer sollten Sie das nächste Mal noch Fahren ;-))
      Wir waren selbst überrascht, wie landschaftlich abwechslungsreich Albanien ist, wie herzlich und gastfreundlich die Menschen sind und wie lecker die albanische Küche ist.
      Grüsse Marten Mehle

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