OLtimerbus in London

England Mai 2016

Englandrundreise 13.05.2016 – 29.05.2016

Freitag 13.05.2016

Wir fahren nach England, London und der Süden sind geplant. Es ist die erste Englandreise für uns und so haben wir voller Erwartungen unser Wohnmobil schon die Woche über gepackt. Heute müssen nur noch ein paar Kleinigkeiten in unser Zuhause für die nächsten zwei Wochen. Um 14:10 Uhr fahren wir los, nach Dünkirchen, 794 Kilometer liegen vor uns.
Wir haben uns für Dünkirchen entschieden, da es etwas näher zu fahren ist und es preislich keinen Unterschied zur Fähre ab Calais gibt.
Um Frankfurt herum kommen wir in den Berufs- und Ferienreiseverkehr – Katastrophe! Wir machen daher eine längere Pause und essen unser vorgekochtes Zouzoukakia mit Couscous.

Samstag 14.05.2016

Gegen 00:30 Uhr kommen wir in Dünkirchen an und hätten die Möglichkeit sofort auf die Fähre zu fahren, sofern wir das Ticket umbuchen möchten. Wir schlafen lieber erst einmal. Um 04:30 Uhr ist es damit auch schon wieder vorbei, wir checken ein, die Fähre startet pünktlich um 06:00 Uhr.
Im Hafen von Dover legen wir um 08:00 Uhr Ortszeit an und gehen von Bord. Christian ist voll begeistert davon, dass wir auf der „verkehrten“ Seite fahren, Linksverkehr bin ich aber schon öfter, zumindest mit dem Motorrad, gefahren und habe somit keine Schwierigkeiten Zunächst suchen wir einen Geldautomaten um Geld zu „kaufen“ und fahren danach zum Parkplatz des National Trust oberhalb von Dover um unser Mitgliedschafts-Voucer in eine richtige Mitgliedskarte umzutauschen.


In England gibt es zwei große Organisationen, die sehr viele Objekte des kulturellen Erbes von England, wie Burgen, Schlösser, Landhäuser, Klöster oder gleich ganze Landstriche, verwalten. Möchte man während eines Aufenthalts auch etliches besichtigen so ist die zeitlich begrenzte Mitgliedschaft in einer der Organisationen empfehlenswert, um die Kosten zu deckeln. Ein Besuch eines Castle kann mit der Familie locker zwischen 30 und 50 Pfund kosten …
Die beiden Organisationen sind der National Trust und der English Heritage. Beide Organisationen finanzieren sich durch Gelder der EU, des Englischen Staates sowie durch
Mitgliedsbeiträge, wobei der National Trust die größere der beiden Organisationen ist. Zudem ist er der drittgrößte Grundstückseigner in Großbritannien.
Wir hatten uns für den National Trust entschieden, da ihm auch viele Landstriche gehören und man auf den sonst kostenpflichtigen Parkplätzen umsonst parken oder sogar übernachten kann.
Nachdem wir unsere Mitgliedkarte haben, geht es jedoch zunächst Richtung London. Dort richten wir uns auf dem Campingplatz Camping Abbey Wood ein und erkunden die Gegend. Leider müssen wir feststellen, dass die Haltestelle, von der aus wir morgen mit der S-Bahn in die City of London fahren wollen, wegen Umbauarbeiten geschlossen ist. Wir müssen also alternativ morgen mit dem Bus fahren. Das Ticket für diese erste Fahrt kaufen wir heute schon.

Sonntag 15.05.2016

Um 06:30 Uhr klingelt der Wecker. Nach einer Gassirunde mit Ella und dem Frühstück fahren wir mit dem ausgekundschafteten Bus zum nächsten Bahnhof und weiter mit der S-Bahn bis Cannon Street Station.


Zu Fuß laufen wir über den Trafalgar Square und Piccadilly-Circus zu einem bestimmten Kiosk, an dem wir unseren London-Pass abholen möchten.
Der London-Pass ist eine weitere Möglichkeit Eintrittsgelder zu deckeln. Er bietet Zugang zu mehr als 60 Londoner Sehenswürdigkeiten. Wir hatten uns im Vorfeld für diese Möglichkeit entschieden und haben dies im Nachhinein auch nicht bereut.
Da wir den London-Pass aber erst morgen aktivieren wollen, lassen wir uns heute erst einmal durch London treiben. Zunächst jedoch wollen wir die Wachablöse am Buckingham-Palast sehen. Diese ist ein großer Touristenmagnet, entsprechend viele Leute sind unterwegs. Eigentlich verschwendete Zeit, andererseits wohl a must bei einem London Besuch.


Danach laufen wir vorbei an Westminster Abbey Richtung Big-Ben und London-Eye. Wir orientieren uns schon einmal für den morgigen Ausflug.
Mit der U-Bahn fahren wir zum Convent Garden, wo am Wochenende viele Gaukler und Künstler ihr Bestes geben um die Besucher zu unterhalten. Auch wir sehen diesem teils lustigem Treiben zu, essen eine Pizza und kehren in einem Pub ein bzw. trinken ein Bier am Stehausschank.
Da wir wissen, dass eine Freundin z. Zt. In London wohnt, posten wir ein Bild auf Facebook und die Reaktion kommt prompt. Wir verabreden uns für Dienstagabend…
Über China-Town laufen wir langsam zur Cannon Street Station zurück um zum Campingplatz zu fahren.

Montag 16.05.2016

Der Tag beginnt mit einer kleinen Aufregung. Heute fährt zwar die S-Bahn wieder, jedoch ist Christians Oyster-Card, die wir zusammen mit dem London-Pass erworben haben, erst ab 09:00 Uhr gültig. Wir lösen also für die erste Fahrt heute eine Karte zusätzlich und fahren zur Westminster Abbey.


Obwohl wir so bald dran sind, steht dort schon eine lange Schlange von Besuchern. Trotzdem gelangen wir relativ schnell ins Innere, wo wir ausgestattet mit Audioguides unsere private Führung beginnen. Besonders beeindruckend sind im Mittelschiff das Grab eines unbekannten Soldaten, das an die Toten der Weltkriege erinnert, sowie die vielen Gräber, 102 sind es, der hier bestatteten Mitglieder des englischen Königshauses.
Ebenso beeindruckend ist die dreischiffige Kapelle Heinrichs VII mit ihrer herrlichen Decke. Am Ende dieser Kapelle ruhen in einem Marmorsarg die Gebeine Heinrichs VII und die seiner Gemahlin Elizabeth of York. Im linken Seitenschiff stehen die Särge Elisabeths I. und Marias I., im rechten Seitenschiff der von Elisabeths Widersacherin, der schottischen Königin Maria Stuart.
Ergreifend ist auch die Poets Corner, in einem Teil des Querschiffs, in der viele der bedeutendsten englischen oder englischsprachigen Dichter, Dramatiker und Schriftsteller begraben sind oder ihrer gedacht wird. Außerdem sind der Komponist Georg Friedrich Händel sowie der Schauspieler Laurence Olivier hier begraben. Den 700 Jahre alten Krönungsthron können wir hier auch bestaunen.

Am Ende unserer Besichtigungstour ist es bereits Mittag. Vom Westminster Pier fahren wir eine U-Bahn-Station weiter und laufen dann am Shakespeare-Theater vorbei, immer am Themseufer entlang bis zum „The London Bridge Experience & Tombs“, einer Attraktion, die im London-Pass inkludiert ist. Bei Pret a Manger, einer britischen Sandwichkette, müssen wir jedoch vorher noch leckere Sandwiches essen. Eigentlich soll die hier angebotene Ausstellung/Tour einem die gruslige Geschichte Londons nahe bringen, das Ganze entpuppt sich jedoch als eine Art Geisterbahn. Ganz lustig aber auch verzichtbar.


Interessanter ist unser nächster Stopp, der Besuch der London Tower Bridge. Besonders die Brücke, die oben beide Türme verbindet ist auf Grund ihres Glasbodens ein Erlebnis.


Auch die Aussicht über die Themse und die Stadt ist von hier oben aus überwältigend.


Man kann nicht nur die Brücke, sondern auch die dazugehörigen Maschinenräume aus der viktorianischen Zeit besichtigen.
Hier erfährt man alles über die Technik der Brücke, wie sie damals bzw. heute funktioniert –auf jeden Fall auch sehenswert.


In Sichtweite der Tower Bridge liegt auf der Themse ein Kriegsschiff aus dem zweiten Weltkrieg, die HMS Belfast, das besichtigt werden kann. Christian will unbedingt auf dieses Schiff. Im Nachhinein sind wir froh, dass er uns überredet hat.


Die HMS Belfast war der größte leichte Kreuzer der Royal Navy im Zweiten Weltkrieg. Eindrucksvoll wird einem das Leben auf einem solchen Kriegsschiff nahe gebracht.
Wir erkunden alle neun Decks des Schiffes, bestaunen den Maschinenraum, das Lazarett, die große Kombüse mit Bäckerei, sowie die Mannschaftsquartire und die Kommandobrücke, wo Christian auf dem Kapitänssitz Platz nimmt. Überall verdeutlichen Wachsfiguren und auch auf die jeweiligen Räume bezogene Gerüche das Leben der Besatzung …


Maria wartet auf ihre Suppe


Christian hat offensichtlich keinen Plan …

Dienstag 17.05.2016

Anscheinend haben wir gestern unsere Oyster-Card überreizt, wir müssen heute alle drei unsere Guthaben aufladen. Unser erstes Ziel heute ist der Tower of London.


Die Ringburg mit zwei Festungsringen diente den englischen und britischen Königen unter anderem als Residenz, Waffenkammer, Werkstatt, Lager, Zoo, Garnison, Museum, Münzprägestätte, Gefängnis, Archiv und Hinrichtungsstätte.

Entsprechend viel gibt es zu sehen Wir lassen uns auch hier per Audioguide durch die weite Anlage führen. Zu bestaunen gibt es außerdem im Jewel House die britischen Kronjuwelen. Lustig ist, dass man per Rollbahn an den Kronjuwelen vorbeifährt.

Leider ist unsre nächste Sehenswürdigkeit, The Monument, geschlossen. Wir fahren daher mit der U-Bahn zum Westminster Pier.

Der London-Pass bietet eine Schiffsfahrt auf der Themse, vorbei an der ganzen Stadt und den Docks bis zum Greenwich Pier. Daher geht es jetzt aufs Schiff.


Auch hier erklärt uns ein Audioguide die wichtigsten Gebäude der Stadtsilhouette. Am Greenwich Pier erwartet uns die Cutty Sark zu einer Besichtigung.


Die Cutty Sark ist ein alter Tee-Kutter, der hier auf dem Trockenen liegt und besichtigt werden kann.
Das 1869 gebaute Schiff war als eines der schnellsten Segelschiffe im 1900 Jahr-hundert auf der ganzen Welt unterwegs. Interessant ist hier, dass man auch unter dem Schiff durchgehen und es von unten besichtigen kann.
Hier sind wir heute auch mit unserer griechischen Freundin Fibi verabredet. Nach einem großen „Hallo“ gehen wir zusammen in einem Pub was trinken und tauschen die neusten Neuigkeiten aus …


Erst um kurz vor 20:00 Uhr sind wir wieder am Campingplatz.

Mittwoch 18.05.2016

Bei englischem Wetter (leichtem Regen) packen wir unsere Sachen zusammen und verlassen gegen 10:00 Uhr Abbey Wood. Unser nächstes Ziel ist der wohl berühmteste Steinkreis der Welt. –Stonehenge.
Seit Dezember 2013 sind das Umfeld von Stonehenge und der Zugang für Besucher neu geordnet. Es gibt einen riesigen Parkplatz mit Besucherzentrum und Shuttlebusse verkehren vom Parkplatz zu den konzentrischen Steinkreisen. Die gesamte Anlage wird vom English Heritage verwaltet. Das Land um Stonehenge gehört jedoch dem National Trust und ein kleiner un-scheinbarer Feldweg führt uns zu einer kleinen Ansammlung von Wohnwägen bei denen wir parken können.
Eine Frau mittleren Alters, die aussieht als käme sie direkt vom Woodstock-Festival, begrüßt uns und schimpft über den English Heritage. Diese Organisation würde wohl 27 Millionen Pfund hier jährlich an Eintrittsgeldern einnehmen uns eigentlich müsste so eine Kultstätte ja eher kostenloses Allgemeingut seien. Da hat sie Recht. Daher genießen wir Stonehenge umsonst. Über die Wiesen des National Trust kommen wir den Steinkreisen fast genauso nahe, wie die zahlreichen zahlenden Touristen.


Leider hat der Regen immer noch nicht aufgehört. Wir hoffen, dass das Wetter in Küstennähe besser ist, denn wir wollen nach Corfe Castle, einer Burgruine im englischen Ort Corfe in der Grafschaft Dorset. Corfe Castle kommt aus dem angelsächsischen und bedeutet übersetzt so viel wie Talburg oder Burg im Tal.
Am Nachmittag kommen wir dort an. Auf dem Parkplatz ist relativ viel los und eigentlich haben wir als Übernachtungsplatz einen Stellplatz ein paar Kilometer weiter auserkoren. Auf sehr sehr enger kurvenreicher Straße navigieren wir dort hin. Leider ist der Platz schon von einem englischen Wohnmobilisten belegt. Er liegt auf einem fast kahlen Bergrücken mit fantastischem Ausblick über Küste und Hinterland. Ein größerer Parkplatz in unmittelbarer Nähe verbietet ausdrücklich das Übernachten. –Schade! Wir kehren also nach Corfe Castle zurück und stellen uns auf den jetzt fast leeren Parkplatz des National Trust.

Donnerstag 19.05.2016

Am Morgen genieße ich beim Gassigehen mit Ella den warmen Sonnenschein. Nach dem Frühstück schnüren wir die Wanderschuhe und gehen in die Ortschaft Corf Castle. Von hier aus betreten wir die Burganlage. Auch diese befindet sich im Besitz des National Trust. Wir erhalten beim Eintritt einen kleinen Führer in deutscher Sprache.


Die Burg wurde um 1090 nach der normannischen Eroberung Englands von diesen gebaut und bis ins 15. Jahrhundert stetig erweitert und befestigt. Im 11. Jahr-hundert diente sie unter König Johann Ohneland als Aufbewahrungsort für die Kronjuwelen. Während des englischen Bürgerkrieges wurde die Burg von den Truppen der Parlamentarier belagert und 1646 eingenommen. Diese sprengten die Burg, was zum heutigen Aussehen der Burganlage führte. Auch heute noch kann man gut die einstige Größe der Burganlage erkennen. Von der Burg selber bietet sich ein toller Blick in die umliegende Grafschaft Dorset. Im Tal zischt unter Dampf von Zeit zu Zeit eine Museumseisenbahn vorbei und zieht einen Rauchschweif hinter sich her – sehr pittoresk. Nach der Burgbesichtigung schlendern wir noch durch die hübsche Ortschaft und erklimmen einen benachbarten Hügel auf dessen Hochfläche wir noch ca. zwei Stunden, an grasenden Kühen und Schafen vorbei, der Küste zulaufen.


Zurück in Corf Castle besuchen wir noch den Teagarden des National Trust und schlürfen einen Afternoon-Cream Tea mit Blick auf die Burg.
Am späten Nachmittag brechen wir Richtung Durdle Door auf und mieten uns auf dem Campingplatz Durdle Door ein.
Das Wetter ist wieder ungemütlich. Es stürmt, regnet leicht und Nebelschwaden ziehen auf. Da wir keinen Strom brauchen wird uns die Zeltwiese zugewiesen. Auf Grund des engen Baumbestands dauert es eine Weile, bis wir einen geeigneten Platz für unser Heim finden. Anfangs belustigt später genervt stellen wir fest, dass sämtliche Bäume des Platzes (und davon gibt es viele) mit Krähennestern belegt sind. Teilweise sind bis zu zehn Nester auf einem Baum. Entsprechend laut ist das „Gekrähe“, das die Vögel von sich geben …
Trotz des Wetters gehen wir am Abend noch zum Strand und werfen einen Blick auf das Tor (Durdle Door).


Das Durdle Door ist ein von der Natur geformter Bogen aus Stein. Er liegt zwischen Weymouth und der Lulworth Cove. Der Anblick Durdle Doors vom Strand aus ist ein bekanntes Landschaftsbild, mit dem die Grafschaft Dorset auch touristisch wirbt.
Der Küstenabschnitt mit steilen Kreidefelsen wird Jurassic Coast genannt und ist von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten. Das Durdle Door gilt als ein Wahrzeichen dieses Teils der Küste.
Das Gelände gehört zum Gebiet des etwa 50 Quadratkilometer umfassenden Lulworth Estate, das sich im Privatbesitz der wohlhabenden Grundbesitzerfamilie Welds befindet, aber für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Freitag 20.05.2016

„Kräh, Kräh, Kräh …“ weckt es uns am frühen Morgen. Naturgeräusche sind ja schön, aber das hier …Der Regen hat aufgehört! Nach dem Frühstück machen wir eine Wanderung zur benachbarten Lulworth Cove. Lulworth Cove und Durdle Dorr sind die zwei faszinierendsten Küstenabschnitte an der Jurassic Coast.

Leider gibt es jedoch auch einen Truppenübungsplatz für Angriffe der britischen Luftwaffe. Auf Grund einer Übung ist uns daher der Weiterweg versperrt. Wir drehen also um und wandern dann ohne Christian, der am Campingplatz zurückbleibt, in die andere Richtung an der Steilküste entlang.
Wiesen, Täler und Steilküste wechseln sich hier in stetigem Spiel ab. Es geht ständig rauf und runter mit tollen Ausblicken auf das Meer.

Leider verstaucht sich Maria auf dem Rückweg den rechten Knöchel und ich sehe mich schon geistig die restlichen Wanderungen des Urlaubs streichen. Maria ist aber ein „tapferes Mädchen“ und ohne dass ich sie tragen muss, kommen wir auch wieder am Wohnmobil an.

Samstag 21.05.2016

Leider regnet es schon wieder leicht ….
Gegen 10:00 Uhr brechen wir Richtung Süden auf.
Lanhydrock House, ein Herrenhaus nahe der englischen Stadt Bodmin in Cornwall ist unser neues Ziel.


Seit über sechzig Jahren ist das Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich. Ursprünglich 1539 als klösterlicher Bauernhof erbaut, erwarb fast 80 Jahre später der Kaufmann Sir Richard Robartes das Landgut und baute es für die Bedürfnisse seiner Familie um.
Bei der Begehung des Hauses werden eindrucksvoll die Geschichte desselben, das Leben und die 350-jährige Geschichte der Familie Robartes lebendig. Besonders beeindruckt hat uns die 29 Meter lange Long Gallery aus dem 17. Jahrhundert. Das Anwesen verfügt über 50 Zimmer, Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmern, Quartieren der Bediensteten, Küchen, Speisekammern und und und …


Das Haus durchlief viele Veränderungen, nicht zuletzt als Folge eines verheerenden Brandes im Jahre 1881, der den größten Teil des Hauses, mit Ausnahme des Gate Houses und den Nordflügel zerstörte. Die zerstörten Teile wurde in „state of the art“ im viktorianischen Stil aber im Einklang mit der Mode und Moderne der Zeit wieder aufgebaut.
Der letzte Spross der Familie, Francis Gerald Agar-Robartes, der 1953 das Haus und die Ländereien dem National Trust vermachte, blieb ebenso wie sechs seiner Geschwister kinderlos. Somit stirbt auf Grund von Kinderlosigkeit die Familie aus.


Das gesamte Haus kann besichtigt, werden das Infomaterial das man beim Eintritt erhält ist auch auf Deutsch.
Nach unserem Rundgang testen wir noch den Afternoontea at Lanhydrock House …


Um dem Regen zu entgehen beschließen wir weiter in den Süden zu fahren. In der Nähen von Lizard an der Südspitze von Cornwall gibt es einen Parkplatz vom National Trust direkt am Meer. Der Platz heißt Gunwalloe, diesen peilen wir an.
Die letzten paar Kilometer sind mal wieder auf abenteuerlich schmaler Straße zu bewältigen. Landschaftlich ist es wunderschön hier und die Sonne scheint …
Als wir ankommen erkunden wir sofort die Gegend. Gunwalloe ist ein hübsches Plätzchen, direkt am Meer gelegen, mit zwei größeren Buchten, die durch eine kleine Landzunge getrennt werden.
An dieser Landzunge steht landeinwärts gerichtet die kleine Kirche St. Wynwallow aus dem 13. Jahrhundert mit einem frei stehenden Turm, der aus dem Fels der Landzunge ragt.


Die nördliche der beiden Buchten heißt daher Church Cove. Vor der Kirche liegt ein uralter Friedhof der bei einbrechender Dunkelheit fast ein bisschen unheimlich wirkt. Ansonsten gibt es nur noch einen Bauernhof mit einer großen Rinderherde, die hier auf den umliegenden Weiden grast.
Als wir spät am Abend noch einmal zum Strand gehen erleben wir zum ersten Mal (in England) das Phänomen Ebbe.


Christian schaut nach wo das Wasser ist …

Sonntag 22.05.2016

Herrlich ausgeschlafen wachen wir am nächsten Morgen auf. Die Sonne scheint und so gehe ich erst einmal auf Fotosafari am Stand …

Nach dem Frühstück starten wir zu einer Wanderung. Marias Fuß geht es in den festen Wanderschuhen einigermaßen gut –auf geht’s!, über Poldhu Cove zur Mullion Cove. Der Wanderweg ist Teil des South-West Coast-Path und führt uns entlang der Küste. In der Bucht von Poldhu Cove sind Wellenreiter unterwegs. Sie liegen auf ihren Brettern und warten auf die perfekte Welle. Fasziniert sehen wir ihnen zu …
Unterwegs kommen wir an einem Denkmal vorbei, das an Guglielmo Marconi, einen italienischer Radiopionier und Unternehmensgründer der Wireless Telegraph & Signal Company, erinnert. An dieser Stelle stand nämlich seine Funkstation mit der am 18. Januar 1903 die erste transatlantische Verbindung durchgeführt wurde. Ab Ende 1903 wurden täglich Funktelegramme zwischen Glace Bay in Nova Scotia und Poldhu in Cornwall über eine Distanz von 3840 km übertragen. Im Jahr 1909 bekam Marconi für seine praktischen Arbeiten im Bereich der Funktelegrafie gemeinsam mit Ferdinand Braun, welcher die theoretischen Grundlagen dazu erarbeitet hatte, den Nobelpreis in Physik.


Der weitere Weg führt und dann zum Mullion Cove – einem Fischerhafen, der vor den Winterstürmen durch zwei dicke Mauern zum Meer hin geschützt wird. Seit dem 17. Jahrhundert waren hier Fischer angesiedelt, die auch erfahrene Schmuggler waren.
Der Hafen wurde 1895 fertiggestellt und von Herrn Robartes von Lanhydrock finanziert, als Lohn für die Fischer für mehrere verheerende Jahre im Sardinenfischfang. Von 1867 – 1909 war hier auch eine Rettungs-station beheimatet, da immer wieder Schiffe an der rauen Küste verunglückten. Allein von Januar bis April 1867 gingen hier in einer Reihe von schweren Stürmen 16 Schiffe unter.


Als wir dort ankommen ist leider Ebbe, dadurch wird aber deutlich wie hoch hier der Tidehub ist. An den Hafenmauern kann man gut erkennen bis wohin das Wasser bei Flut gelangt. Der Hafen diente schon oft als Kulisse in zahlreichen Rosamunde Pilcher Verfilmungen. Die gesamte Anlage wurde vom National Trust in den Jahren 2014/2015 umfangreich saniert.


Auf dem Rückweg machen wir in Poldhu Cove an der dortigen Strandbar eine Pause und schauen dem bunten Treiben am Strand zu.

Zurück am Wohnmobil bereiten wir alles für ein abendliches Grillen vor …

Montag 23.05.2016

Wir fahren zum St. Michael’s Mount bei Marazion. Hier Frühstücken wir erst einmal.
St. Michael’s Mount ist eine Gezeiteninsel an der Südwestspitze Englands, die vor dem Ort Marazion liegt. Sie ist entweder mit kleinen Booten oder bei Ebbe, über einen schmalen Damm von Marazion aus zu erreichen. Christian freut sich schon auf die Bootsfahrt und erzählt irgendwas von Speedbooten, was ich mir aber bei einer Gesamtstrecke von 366 Metern nicht vorstellen kann.


Ein Blick aus dem Fenster lässt außerdem erkennen, dass wohl gerade Ebbe im Gange ist. Der Wasserstreifen zwischen der Ortschaft und Insel wird immer schmaler …
Gegen 10:30 Uhr, die Insel öffnet erst um diese Zeit, stehen wir am Weg und warten, dass das Meer diesen endlich frei gibt. 10 Minuten später ist es endlich soweit und wir laufen über den Damm zur Insel.

Die Sehenswürdigkeit ähnelt dem Mont Saint-Michel im Norden Frankreichs, ist allerdings weniger bekannt. St. Michael’s Mount hat daher ein geringeres Tourismusaufkommen und damit auch nicht die entsprechenden Probleme seines „großen Bruders“.
Auf dem Felsen thront eine veritable Schloss- und Abteianlage. Der Inselberg wurde zur Zeit der normannischen Herrschaft über England Ende des 11. Jahrhunderts tatsächlich den Benediktinermönchen des französischen Mont Saint Michel übereignet. Auf dem Gipfel des Inselberges entstand eine Kirche, die auch St. Michael’s Mount zu einer Pilgerstätte werden ließ.


Die strategische und wirtschaftliche Bedeutung des Felsens blieb jedoch immer wichtiger als seine religiöse. In diversen Kriegen wurde er belagert und zur Festung ausgebaut, von dem kleinen Inselhafen aus wurde Zinn verschifft, was der Grafschaft Cornwall Mitte des 19. Jahrhunderts zu Reichtum verhalf.
Im Gegensatz zu seinem französischen Geschwisterberg leben auf dem St. Michael’s Mount heute keine Mönche mehr. Stattdessen bewohnt die St.-Aubyn-Familie schon in zwölfter Generation die Schlossanlage. Sie hat den Besitz 1954 dem National Trust vermacht, sich jedoch ein 999-jähriges Wohnrecht und die touristischen Vermarktungsrechte gesichert.


Wir besichtigen zunächst das Castle und die Kirche. Toll ist der Blick über Meer und Land. Von oben ist auch die 250 jährige subtropische Gartenanlage zu bestaunen, die wir anschließend besuchen. Hier wachsen auf Grund des milden Klimas sogar Yuccapalmen, Strelitzien, Rhododendren, Hibiskusse und jede Menge andere Pflanzen, die wir gar nicht kennen.


Der Garten bekommt von uns das Prädikat „sehr sehenswert“. Wir müssen leider gehen, die St.-Aubyn-Familie darf noch 937 Jahre bleiben …


Wir queren den unteren Zipfel Englands und fahren an die nördliche Küste nach Tintagel zum Campingplatz Trewethett Farm.
Der Platz liegt oberhalb der steilen Küste, und bietet somit einen phantastischen Ausblick aufs Meer und verfügt über großzügige Stellplätze. Nachdem wir uns einen schönen Platz ausgesucht haben erkunden wir noch über einen kleinen Weg die Küste unterhalb.
Am Abend ist es endlich einmal so warm, dass wir draußen sitzen, grillen und essen können.

Dienstag 24.05.2016

Heute machen wir eine Wanderung nach Boscastle. Christian übernimmt die Führung. Der Weg führt uns durch ein kleines Tal mit einer malerisch gelegenen Mühle.

Später, weiter im Landesinneren, kommen wir unter hohen Bäumen durch ein hübsches Tal, durch das ein munterer Bach plätschert. Große Aufregung herrscht als wir eine Viehweide queren und die Rinder plötzlich Ella angreifen. Herrchen muss mit Hilfe einer Engländerin den „armen“ verstörten Hund retten.


Boscastle ist ein kleiner pittoresker Ort Er liegt in einem schmalen fjordähnlichen Tal an der Mündung der Flüsse Jordan, Valency und Paradise.
Der Ortskern im elisabethanischen Stil ist rund um den idyllischen Hafen angeordnet. Dieser wurde 1587 durch Sir Richard Grenville angelegt und bis ins 19. Jahrhundert für den Abtransport von Schiefer aus den nahe gelegenen Steinbrüchen genutzt.


Die Hafenmauern aus Naturstein schützen den Ort zudem vor Sturmfluten. Der Hafen wie auch große Teile des Ortes und der Umgebung werden vom National Trust betreut und gepflegt.


Am südlichen Ende des Ortes befinden sich die Ruinen von Bottreaux Castle aus dem 11. Jahrhundert, das dem Ort seinen Namen gab.
Der Großteil der Burg wurde im 16. Jahrhundert abgerissen um die Steine für neue Häuser in Boscastle zu verwenden.
Traurige Berühmtheit erlangte der Ort im August 2004, als während eines schweren Gewitters eine meterhohe Flutwelle durch den Ort schoss und sechs Gebäude mit sich riss. 20 weitere Häuser mussten später wegen ihrer Beschädigungen abgerissen werden. Die Rettungsaktion der Bevölkerung war wohl die größte in der britischen Geschichte. Der Gesamtschaden der Flut in Boscastle wird auf 60 Mio. € geschätzt. Da es keine Todesopfer gab sprachen die Medien vom Wunder von Boscastle.
Wir lassen uns ein bisschen durch den Ort treiben, essen Fish and Chips und schlecken je ein leckeres Eis.


Der weitere Weg führt uns wieder hoch auf die Steilküste. Hier wandern wir immer das Meer rechter Hand zurück zum Campingplatz.
Am Abend kommt am Wohnmobil eine Möwe vorbeigeflogen und lässt sich nieder. Christian füttert sie ein bisschen, was wiederum einen Raben anlockt. Die beiden mögen sich nicht sonderlich und so gibt es immer ziemlichen Streit um die zugeworfenen Brotstückchen. Dem Raben wird das irgendwann zu blöd, er entschließt sich dazu, das Brot direkt von der Hand des Spenders abzuholen. Wunderschön geht an diesem Abend die Sonne unter …

Mittwoch 25.05.2016

Zum Frühstück sind beide Vögel wieder da. Wir packen jedoch und fahren in die Ortschaft Tintagel.
Der Ort ist vor allem durch die in der Nähe am Meer liegende Burgruine Tintagel Castle bekannt. Der Artussage nach ist sie der Geburtsort König Arturs. Die kann jedoch nicht sein, denn sie wurde erst um 1230 errichtet, also etwa 700 Jahre nach der Artus-Zeit. Nachdem die Legende von Artus‘ Zeugung und Geburt in Tintagel Mitte des 12. Jahrhunderts aufgekommen war, ließ Richard von Cornwall, der sich in die Ahnenreihe König Artus‘ einreihen wollte, an jener Stelle seine Burg errichten und machte sich damit zum legitimen Nachfahren des legendären Königs. Strategisch gesehen erfüllte eine Burg an dieser Stelle zu jener Zeit keinen Zweck und somit ist es auch kein Wunder, dass sie schon bald wieder aufgegeben wurde. Schon im 15. Jahrhundert war nicht mehr als eine romantisch verfallene Ruine davon übrig, die Dichter, Schriftsteller und Maler gleichermaßen inspirierte und die immer wieder in Verbindung mit der Artus-Legende gebracht wurde.
Auf Grund dieser Sage ist Tintagel der wohl am häufigsten von Touristen besuchte Ort in England. Viele der alten Häuser wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen, m den Anforderungen des Tourismus gerecht zu werden. Erhalten blieb aus früheren Zeiten nur das Alte Postamt, ein kleines, pittoreskes Herrenhaus aus dem 14. Jahrhundert mit gewelltem Schieferdach.

Der National Trust hat das Gebäude restauriert und einen der Räume entsprechend seiner ehemaligen Bestimmung wieder als viktorianische Dorfpost eingerichtet.
Wir entscheiden uns wegen des hohen Eintrittspreises und weil man außer einen tollen Landschaft wohl von der Burg nicht mehr viel sieht, gegen einen Besuch derselben. Das alte Postamt jedoch schauen wir uns an.


Es ist ein altes Steinhaus aus dem 14. Jahrhundert in dem zu viktorianischer Zeit das „Postamt“ untergebracht war. Es ist seit 1904 als eines der ersten Häuser im Besitz des National Trust gelangt. Hinter dem Haus befindet sich ein schöner kleiner Garten.
Da es noch früh am Tag ist fahren wir weiter ins Bodmin Moor.
Hier schnüren wir die Wanderstiefel und wandern ins Bodmin Moor. Dies ist eine 208 km² große Hochmoor-landschaft.
Beeindruckende Gesteinsformationen aus Granit erheben sich über dem hügeligen Land, das während der Bronzezeit dicht besiedelt war. Viele prähistorische Hügelgräber und Steinkreise finden sich über die Landschaft verteilt.


An den südlichen Hängen des Moors liegt der Dozmary Pool, in den, nach der Überlieferung der Artussage, Sir Bedivere das Schwert Excalibur warf, um es der Lady of the Lake zurückzugeben.
Wir laufen von der kleinen Ortschaft Saint Breward über etliche Viehweiden in diese menschenleere Einöde. Nur Schafe, Kühe und wilde Pferde begegnen uns. Am Fernacre Stone Circle, einem Steinkreis, biegen wir links ab und laufen über ein weites Feld verstreuter Granitsteine stetig bergan zum Rough Tor, mit 400 m die zweit höchste Erhebung in Cornwall.


Von hier hat man einen tollen Ausblick auf die mystisch anmutende Moorlandschaft.
Als wir am späten Nachmittag zurück am Wohnmobil sind, beschließen wir noch ein Stück Richtung Norden zu fahren. Auf der Karte des National Trust suchen wir nach einer Sehenswürdigkeit bei der wir eventuell auch übernachten können. Die Wahl fällt auf Castle Drogo.
Gesagt getan. Als wir dort ankommen weist jedoch ein Schild darauf hin, dass das Übernachten auf dem Parkplatz verboten ist. Zwei Kilometer entfernt befindet sich jedoch in einem Tal an der Fingle Bridge ein weiter National Trust Parkplatz. Hier fahren wir hin und bleiben auch. Der Platz liegt mitten im Wald, es gibt ein Inn jedoch ist es heute unter der Woche kaum besucht.

Donnerstag 26.05.2016

Wir haben herrlich ruhig geschlafen. Zum Frühstück fahren wir zum Castle Drogo und stellen uns dort auf den Parkplatz. Die Sonne scheint herrlich und so beschließen wir zuerst den tollen Garten zu besichtigen, der zum Castle gehört und in deutlichem Kontrast zu der Landschaft am Rande des Dartmoors steht.

Die Bepflanzung besteht aus Rhododendron und Magnolien sowie Staudenrabatten. Zur Gartenanlage gehören ein Rosengarten, ein Garten mit Ziersträuchern sowie ein großer, kreisrunder Rasenplatz für Croquet.

Danach besichtigen wir das Schloss, das z. Zt. Renoviert wird. Es ist das letzte Landschloss, das in Großbritannien gebaut worden ist.
Es liegt hoch über der Schlucht des River Teign und wurde im Auftrag von Julius Drewe, einem Geschäftsmann und Gründer der Home and Colonial Stores gebaut. Der 1910 begonnene und nie ganz vollendete Herrensitz, 1930 ging das Geld aus, besteht vollständig aus Granit. Stilistisch lehnt sich die Architektur an Burgen des Mittelalters und der Tudor-Zeit an, verbunden mit zeitgenössischen Stilelementen.


Der Besitz gehört seit 1974 dem National Trust und war das erste Anwesen aus dem 20. Jahrhundert, das von der Stiftung erworben wurde. Seit 2012 wird das Schloss, einer dringend notwendigen Sanierung unterzogen um den Einbruch von Wasser durch das Dach und durch die Fenster zu beheben. Das Schloss ist durch den Wassereintritt in seiner Sicherheit gefährdet und hätte ansonsten für die Öffentlichkeit geschlossen werden müssen. Die Probleme am Bauwerk, die unter anderem daher stammen, dass das an sehr exponierter Stelle über Dartmoor errichtete Schloss keine Fensterbänke besitzt, wurden schon 1915 bemerkt, seit 1933 waren sie aber sehr offensichtlich.
Der National Trust finanziert die Baumaßnahmen unter anderem durch den Verkauf von Teilen des Daches, aber auch von der National Lottery fließt Geld in den Erhalt des Bauwerks. Im Rahmen der Sanierung wurde die Ausstellung im Schloss umgestaltet und statt wie bisher einer realistischen Ausstattung der Räume wird nun die Geschichte des Gebäudes in szenischen Installationen gezeigt. Bei einem Rundgang durch das Labyrinth der Räume mit unterschiedlichen Themen bekommt man eine Ahnung, wovon die Burg im Laufe der Zeit betroffen war und warum eine Wiederherstellung von Nöten ist. Trotz der Instandsetzungsarbeiten hat man die Empfindung das Schloss sei bewohnt, tatsächlich unterhalten die ursprünglichen Eigentümer hier noch eine Wohnung. Die Arbeiten, während derer das Schloss weiterhin zugänglich ist werden voraussichtlich noch bis 2017 andauern.
Insgesamt war auch dieser Besuch sehr lohnenswert.
Am frühen Nachmittag fahren wir weiter Richtung Norden und suchen in der Nähe von Alton nach einem Übernachtungsplatz.
Nach etlichem hin und her landen wir per Zufall auf einem schönen kleinen Campingplatz. Two Hoods Campsite heißt er und liegt wunderschön und sehr ruhig in hügeliger Landschaft (www.twohootscampsite.co.uk). Außer uns stehen noch zwei Wohnmobile hier, sonst ist der Platz leer. Wir packen Grill und Campingtischstühle aus und genießen einen schönen Abend mit Blick auf eine grasende Schafherde.

Freitag 27.05.2016

Wir bewegen uns weiter Richtung Norden, morgen geht unsere Fähre ab Dover. Zunächst fahren wir heute ein kurzes Stück zum Scotny Castle in der Grafschaft Kent.


Scotney Castle ist ein Landhaus mit Renaissancegarten südwestlich von Lamberhurst im Tal des Bewl. Auch dieses Haus gehört seit 1970 dem National Trust und kann seit 2006 besichtigt werden. Vorher vermietete der National Trust das Haus immer wieder mal, so u.a. auch an die Premierministerin Margaret Thatcher, die die Belfry Flat in den 1970er- und 1980er-Jahren eine Zeit lang als Wochenenddomizil und Zufluchtsort vor ihrem Leben in Westminster angemietet hatte.
Das Haus sowie die Gärten im Picturesque-Stil, sind öffentlich zugänglich. Sehenswert sind auch die Ruinen des mittelalterlichen Herrenhauses Scotney Old Castle, das sich auf einer Insel in einem kleinen See befindet. Der See ist von abfallenden, bewaldeten Gärten umgeben. Rhododendren, Azaleen und Lorbeerrosen blühen hier in allen Farben.


Am höchsten Punkt der Gärten steht Scotney New Castle oder einfach Scotney Castle, das zwischen 1835 und 1843 errichtet wurde, um Scotney Old Castle zu ersetzen. Es ist ein frühes und ungewöhnlich zurückhaltendes Beispiel für den Tudor-Revival-Stil im Großbritannien des 19. Jahrhunderts.
Zunächst besichtigen wir das Haupthaus. Mir gefiel hier besonders: Im Gang von der Küche zur Haupthalle hängen etliche schöne Bilder der ehemaligen Hausherrin, die sie während einer Europareise Anfang des 20. Jahrhunderts gemalt hat.
Lustig war, dass wir Teilnehmer einer Feueralarmübung wurden …
Das Gebäude wurde bis in die 1970er Jahre noch bewohnt und so finden wir viele Gegenstände die doch recht modern wirken.
Das Anwesen gehörte ca. 350 Jahre lang einer Familie Darrell. Im Jahr 1778 kauften Edward Hussey und sein Enkel Scotney Castle und ließen die „Neue Burg“ nach Plänen von Anthony Salvin aus Sandstein von den Hängen unterhalb bauen.

Die alte Burg zerstörten sie mit Absicht um der Gartenanlage, in die auch der entstandene Steinbruch integriert wurde, einen romantischen Touch zu geben.


12 Meilen von hier liegt Bodiam Castle, die Burg aus dem Monty Python Film „Die Ritter der Kokosnuss“. Sie ist unser nächstes Ziel.
Bodiam Castle ist glaube ich der Inbegriff einer mittelalterlichen Wasserburg. Ein fast quadratischer Grundriss von 50 Metern mal 60 Metern, umgeben von hohen Mauern, an jeder Ecke mächtige Rundtürme von 9,4 Metern Durchmesser und in jeder Mauerseite jeweils ein quadratischer Turm. Das alles wiederum umgeben von einem Wassergraben.


Die von 1385 – 1392 erbaute Burg war, nicht nur für die damalige Zeit, sehr komfortabel eingerichtet, es gab 33 Feuerstellen bzw. Kamine, 10 Wendeltreppen und 28 Aborterker. Der Westtrakt war für den eigenen Haushalt des ständigen Vertreters des Burgherrn (Burgvogt) vorgesehen. Im Südwestturm ist auch heute noch ein Brunnen zu sehen, der Nordwestturm beherbergte das Burggefängnis.
Das Burginnere wurde während des Englischen Bürgerkriegs weitgehend zerstört.


Lord Curzon erwarb das Gebäude im Jahr 1917 und begann mit Restaurierungsarbeiten. Ihm ist es zu verdanken, dass man heute auf die Türme steigen auf einigen Mauern entlanglaufen kann. Seit 1926 gehört das Areal dem National Trust.


Wir betreten die Burg über eine lange Brücke und sehen uns zunächst in einem der Türme einen Film über die Geschichte der Burg an. Dann erkunden wir die Türme und Gänge der alten Anlage, bevor wir unseren letzten Afternoon-Tea zu uns nehmen.
Landschaftlich gefällt es uns hier so gut, dass wir am nahen Flussufer noch ein bisschen in der Sonne liegen und faullenzen.
Mit Christian zusammen füttere ich noch die hier zahlreich lebenden Enten. Sie lassen sich sogar aus der Hand füttern und anfassen.
Als sich am Abend der Parkplatz lehrt, beschließen wir hier über Nacht zu bleiben …

Samstag 28.05.2016

Um 08:00 Uhr fahren wir über Land zum National Trust-Parkplatz am Withe Cliffs of Dover. Wir wählen bewusst die Landstraße um noch ein bisschen vom Land zu sehen.
Wir frühstücken erst nach Ankunft am dortigen Parkplatz oberhalb des Hafens und geben unsere letzten Pfund noch aus.

Um 12:30 Uhr fahren wir in den Hafen und checken ein. Das Schiff legt pünktlich um 14:00 Uhr Ortszeit ab, -um 02:30 Uhr kommen wir zu Hause an….

Fazit:

Wider aller Erwartungen hat uns England sehr gut gefallen. Überall sind wir auf nette, hilfsbereite und coversationsfreudige Menschen getroffen. London ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch wenn die Stadt das Reisebudget erheblich belastet. Die Landschaften und vor allem die Sehenswürdigkeiten haben für einen sehr abwechslungsreichen Urlaub gesorgt. Die Mitgliedschaft im National Trust hat sich daher auch sehr gelohnt. Wettertechnisch war England nicht so der Brüller, da sind die Monate Juli/August wohl die bessere Wahl.
Wir kommen auf jeden Fall einmal wieder …

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2 Kommentare bei “England Mai 2016

  1. Henriette Schweizer

    Hallo Familie Mehle,
    wir verbringen fast jeden Urlaub in Südengland. Ich wollte euch noch einen Tipp für Stonehenge geben. Stonehenge gehört zwar dem English Heritage, kann aber mit der National Trust Card umsonst angeschaut werden. Wir übernachten immer im Stonehenge Touring Park und sind morgens die ersten Besucher. Dann ist man für kurze Zeit allein und kann tolle Bilder machen.
    Liebe Grüße
    Henriette Schweizer

    • marten

      Hallo Frau Schweizer,

      genau so wollten wir das auch machen. Leider hat es so geregnet, dass wir uns gegen eine Übernachtung entschieden haben.
      Vielen Dank für den Tipp und schönen nächsten Urlaub.

      Liebe Grüße
      Marten Mehle

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