Abenteuer Balkan – Albanien. Woche vier unserer Balkanreise

Im vierten Teil unseres Reiseberichts “Balkantrip, vier Wochen unterwegs in fünf Ländern” nehmen wir dich mit nach Albanien, an den Shkodrasee, auf den Llogara-Pass in Südalbanien und an die albanische Riviera. Unsere Heimreise führt uns erneut durchs wilde Bosnien sowie auf die kroatische Halbinsel Peljesac, bevor wir in Italien wegen eines Unwetters in San Daniele übernachten müssen…

Aufbruch nach Albanien

Wir verlassen Rijeka Crnojevića Richtung Süden. Durch die Berge, den Zufluss des Shkodrasees linker Hand immer im Blickfeld, geht es auf abenteuerlich schmalen Straßen Richtung Virpazar. Nachdem wir im vorigen Jahr den Shkodrasee auf der östlichen albanischen Seite umrundet haben, wollen wir uns dieses Mal die montenegrinische Westseite ansehen. Wir “quetschen” uns durch das enge Virpazar, das direkt am Seeufer liegt und folgen der kurvenreichen schmalen Straße, die schnell wieder an Höhe gewinnt. Wegen der phantastische Ausblicke auf den See und die umliegenden Gebirgsmassive halten wir immer mal wieder an.

An der Westseite des Shkodrasees

Auf den folgenden Kilometern bieten kleine Verkaufsstände am Straßenrand Wein und Honig aus eigener Produktion an. Wir lassen uns verführen und halten an einem Haus. Der Inhaber preist seine Waren in gebrochenem Deutsch an. Während wir alles probieren müssen, erzählt er uns von seiner in Deutschland arbeitenden Frau und dass er in den Sommermonaten immer in die Heimat fahre um Wein herzustellen. Im Winter sei er dann auch in Deutschland…
Wir kaufen etliche Flaschen seines wirklich sehr guten Rotweines und einige Gläser Honig. Beim sehr herzlichen Abschied beschenkt uns der nette Mann auch noch mit mehreren Dolden seiner vorzüglichen Weintrauben…
Nach etlichen Kilometern verlassen wir die Hauptroute und biegen links ab nach Donji Murići. Am Ufer des Sees soll es eine Konoba (Camping Konoba Murici) mit kleinem Campinggelände geben. Vielleicht bleiben wir hier ein paar Tage. Eine gefühlte Ewigkeit schlängelt sich die Straße Richtung Ufer und endet dann an einem langen Strand. Von hier aus kann man entweder mit dem eigenen oder einem gemieteten Boot (Vermietung am rechten Strand) die vorgelagerten Inseln und das Kloster Manastir Beska besuchen.

An der Konoba fragen wir nach einem Stellplatz für unser Wohnmobil. Die Preisvorstellung des Inhabers animiert uns zur Weiterfahrt. Fünf Euro pro Person und 15 Euro für unser Fahrzeug sind für Montenegro wirklich zu viel. Leider, denn uns hätte es hier gefallen und aus einem Besuch des Klosters wird so auch nichts. Der Familienrat beschließt, jetzt den See in südlicher Richtung weiter zu umrunden, um auf der anderen Seite des Sees im Lake Shkodra-Resort unterzukommen. Gesagt getan. Durch reizvolle Landschaft führt uns die Straße hoch oben am See entlang. Karstige Landschaft wechselt sich mit dichten Kastanienwäldern ab. Nachdem es am Morgen noch geregnet hatte, wird jetzt langsam auch das Wetter wieder besser. Am frühen Nachmittag erreichen wir die albanische Grenze, stehen erst einmal im Stau und haben eine halbe Stunde später die Grenze Muriqan – Sukobin hinter uns gebracht.

Lake Shkodra Resort

Shkodra haben wir ja letztes Jahr schon, während unserer vierwöchigen Albanienrundreise besucht. Daher queren wir jetzt die Stadt nur, halten jedoch kurz um am Geldautomaten noch albanische Lek zu “kaufen”.
Das Campresort Lake Shkodra wartet dann mit einer dicken Überraschung. Nachdem wir die Frage nach einer Reservierung verneinen, bekommen wir den vordersten Platz auf Gelände, direkt am See, zugewiesen. Wie sagen natürlich nicht “Nein”. Insgesamt ist der Platz Ende August, wir haben heute den 26.08., gut besucht.

Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Faulenzen, Schwimmen, SUP-Paddeling und Lesen. Abends gibt’s vom platzeigenen Restaurant leckeres Essen…

Eigentlich kann man hier auch seinen Urlaub verbringen, aber wir wollen unbedingt noch ans Meer. Wir fahren daher am Dienstag den 28.08. zunächst zur nächstgelegenen Küste bei Velipoje, und uns dort umzusehen. In der Nähe gibt es auch einen kleinen Campingplatz (Camping Clandestino), wo wir vielleicht bleiben können.

Über den Llogara-Pass an die albanische Riviera

Knapp 40 Kilometer sind es bis zur Küste. Ab Shkodra ist die Straße zur Küste neu ausgebaut, wird jedoch von etlichen Kühen genutzt, die selbständig ihre Weideplätze aufsuchen…

Die Ortschaft Velipoje sowie die Küste mit überwiegend dunklem bis schwarzen Sand gefällt uns überhaupt nicht und die Umgebung um den kleinen Campingplatz, den wir nach etlichem Suchen endlich finden, ist total zugemüllt.
Wir planen also erneut um und beschließen an die albanische Riviera zu fahren. Es ist noch relativ früh am Tage, die 300 Kilometer bis Livadh bei Himarë stellen also zeitlich kein Problem dar. In diesem Ort waren wir bereits letztes Jahr, wir wissen also was uns erwartet…
Am Straßennetz Albaniens wird in rasanter Geschwindigkeit gebaut. Etliche Straßen, die wir letztes Jahr bereits befahren haben, sind mittlerweile ausgebaut. Wir kommen also zügig voran. Beeindruckend ist auch die neue Stadtarchitektur von Vlora. Um eine schöne sandige Bucht reihen sich hohe moderne Hotel und Bürogebäude, großzügige mehrspurige Boulevards wurden angelegt und alles strahlt im modernen neuen Glanz… nicht unser Fall, aber sicherlich gibt es Urlauber, die auf diesen Miami-Style stehen.
Hinter Vlora wird die Straße schmaler und wir durchqueren den Nationalpark Llogara (albanisch: Parku Kombëtar i Llogarasë). Er liegt im Ceraunischen Gebirge. Durch ein waldreiches Gebiet geht es stetig bergauf, bis zum 1027 m hoch liegenden Llogara-Pass (Qafa Llogara).
Vom Pass aus öffnet sich der Blick auf die Küste der Albanischen Riviera und das Ionische Meer. Der Ausblick ist überwältigend. Die knapp 50 Kilometer entfernte Insel Korfu scheint zum Greifen nah.

Auf der Südseite des Passes geht es in langen Serpentinen wieder bis auf Meereshöhe hinunter…

Badetage in Livadh

Vorbei an Dhërmi führt uns unser aussichtsreicher Weg immer an der Küste entlang bis zur Abzweigung nach Livadh. Erleichtert stellen wir fest, dass sich in der Bucht von Livadh seit dem letzten Jahr nichts verändert hat.

Wir entscheiden uns wieder für den Stellplatz neben dem Camping Nashos. Das Grundstück gehört zum Campingplatz und so können wir dort die Sanitäranlagen nutzen.
Den Rest des Tages nutzen wir um uns einzurichten, wir baden ausgiebig und gehen am Abend essen.

Die folgenden Tage sind von Strandleben geprägt. Der Morgen beginnt für Maria und Christian jeweils mit einer Joggingrunde. Ohne Kind geht es zwei Mal nach Himarë. Von Livadh aus geht dies übrigens prima zu Fuß. Nachdem wir unser Boot aufgebaut haben erkunden wir die Strände zwischen Livadh und Jalë vom Wasser aus.

Mit dem Wohnmobil fahren wir an einem Vormittag nach Dhërmi um uns dort umzusehen. Der Ort ist komplett für den Strandtourismus aus- und umgebaut worden. Man hat eine lange Strandpromenade, gesäumt von Cafés, Restaurants und Souvenierläden angelegt, alles ziemlich neu und gesichtslos…

Am vierten Tag unseres Aufenthalts wandern Maria und Christian vom Campingplatz aus nach Gjipe, während ich mit dem Boot dorthin fahre. Für diese aussichtsreiche rund 10 Kilometer lange Wanderung benötigen die Beiden gute zwei Stunden. Bei mir geht es etwas schneller und Maria und Christian sind froh, bei der Hitze die Strecke nicht wieder zurücklaufen zu müssen.

Besonders schön war unsere Bootstour in die Bucht Gjiri i Filikurit. Diese liegt südlich von Himarë und besticht durch fast weißen Sand und kristallklares und kaltes Wasser. Wir graben am Stand ein großes Loch, das sich relativ schnell mit eiskaltem Süßwasser füllt. Hier gibt es unterirdische Quellen, die für das kalte Wasser in der Bucht verantwortlich sind. Übrigens kann man diese Bucht auch zu Fuß von Himarë aus erreichen, wobei der Abstieg mit einem Seil gesichert ist.

Von Albanien zur Halbinsel Peljesac

Insgesamt haben wir fünf schöne Tage in Livadh verbracht. Für einen Badeaufenthalt ist unserer Meinung nach die Bucht perfekt. Es gibt zwei kleine Läden und mehrere Restaurants, die man alle empfehlen kann (das Preisgefüge Albaniens verführte uns dazu immer Essen zu gehen…) Der Strand ist im hinteren Teil der Bucht ruhig, wer mehr Rummel mag ist im vorderen Teil der Bucht gut aufgehoben. Unter der Woche geht es insgesamt beschaulich zu…

Langsam neigen sich die verbleibenden Urlaubstage dem Ende entgegen. Am 03.09. verlassen wir Livadh und fahren zurück zum Shkodra-See, wo wie erneut am Lake Shkodra-Resort übernachten, bevor es am nächsten Tag weitergeht.

Unser nächstes Ziel liegt 230 Kilometer nördlich.
Über den Grenzübergang Hani i Hotit im Norden des Shkodra-Sees verlassen wir Albanien. Über Podgorica in Montenegro geht es auf der E762 immer Richtung Norden bis Niksic. Ab hier folgen wir der M6 Richtung Mrkonjići. Bald queren wir die Grenze nach Bosnien-Herzigowina. Die bosnischen Zöllner sind neugierig aber sehr nett, wollen wissen woher und wohin des Weges und einen Blick in die Wohnkabine möchten sie auch noch werfen -bitte sehr!
Durch grandiose Bergkulisse geht es weiter. Über den Grenzübergang Orahov Do verlassen wir Bosnien-Herzigowina und sagen Pozdrav Hrvatska (Hallo Kroatien). Jetzt ist es nicht mehr weit. Unser nächstes Ziel ist die Halbinsel Peljesac. Hier wollen wir noch zwei Tage auf dem Campingplatz Prapratno bleiben bevor es endgültig in die Heimat geht. Vor ein paar Jahren waren wir schon einmal auf dieser schönen Insel in Süddalmatien (Reisebericht-Südtirol und Süddalmatien). In Ston machen wir einen kleinen Zwischenstopp und kaufen noch ein paar Lebensmittel ein.

Camping Prapratno und Rückreise 1. Teil

Die Bucht von Prapratno ist schön gelegen und beherbergt außer dem Campingplatz nur noch ein paar kleine Appartementhäuser und eine Fähranlegestelle, von der aus man die Insel Mljet erreichen kann. Man merkt, dass Nachsaison ist. Der Platz ist fast leer. Hier bleiben wir noch zwei Nächte und verbringen die Tage mit süßem “Nichtstun”.

Am Sonntag hat Christian einen Auftritt mit seiner Band Late Roots. Wir müssen also langsam die endgültige Heimreise antreten. Am Donnerstag, den 06.09. heißt es erneut Abschied nehmen. Kurz vor Ploce kaufen wir die letzten Reisemitbringsel, bevor es auf die Autobahn Richtung Norden geht.

Obwohl wir noch einmal übernachten müssen, haben wir zunächst kein Ziel. Der Zufall bringt uns jedoch an einen interessanten Ort. Dank des geringen Verkehrs kommen wir gut voran. Die Grenzabfertigung nach Slowenien verläuft zügig und bereits am Nachmittag sind wir in Italien. Wir beschließen noch bis zum Plöckenpass zu fahren und dort zu übernachten. Doch plötzlich ändert sich innerhalb weniger Minuten das Wetter dramatisch.

Ein Wetterchaos zwingt uns nach San Daniele, Rückreise 2. Teil

Kurz hinter Udine ist der Himmel schwarz, es geht ein böiger Wind und der Regen peitscht gegen unser WoMo. Wir planen mal wieder um und suchen einen Stellplatz in der näheren Umgebung. In San Daniele soll es einen geben. Das sind nur noch ein paar Kilometer. Die Welt geht unter… Bei Sintflutartigem Regen erreichen wir im Schritttempo am späten Nachmittag den avisierten Platz. Zunächst machen wir es uns im Auto bequem. Als der Regen nachlässt und kurz darauf ganz aufhört, erkunden wir die Ortschaft und gönnen uns in der Pizzeria La Bussola das “Rundum-Verwöhnprogramm”.

San Daniele ist ein hübsches Städtchen mit historischen Bauwerken aus dem 16.–18. Jahrhundert. Erst während unseres Rundgangs wir uns klar, dass hier der weltberühmte San Daniele Schinken produziert wird. Davon müssen wir natürlich am nächsten Morgen noch etwas einkaufen.

Nach einer herrlich ruhigen erholsamen Nacht ziehen wir noch einmal los. In einem kleinen Cafe am zentralen Platz frühstücken wir mit Blick auf den Dom San Michele Arcangelo und kaufen in der Bottega Del Prosciutto vom sehr leckeren Prosciutto San Daniele einen kleinen Schinkenvorrat…

Das Wetter hat uns gezwungen unsere Anoraks auszupacken. Es ist immer noch recht ungemütlich. Wir beschließen daher schon heute die restliche Strecke nach Hause zu fahren. Über den Plöckenpass und Lienz und Kitzbühl geht es Richtung Heimat.
Mit der Gewissheit nicht zum ersten und letzten Mal den Balkan bereist zu haben sind wir am Samstagnachmittag zurück in Deutschlands Hochsommer…

Fazit:

Der Balkan lohnt. Die julischen Alpen Sloweniens sind ein tolles Bergsteiger- und Wanderrevier, Bosnien-Herzigowina überrascht mit herzlichen Menschen, toller Natur und sehenswerten Städten. Die Landschaften Montenegros machen sprachlos und das im “Aufbruch” befindliche Albanien ist nicht nur im Hinterland immer eine Reise wert. Bei Kroatien sind wir mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass man die kroatische Küste in der Hauptsaison meiden sollte. Uns gefällt es in kroatische Bergregionen oder auf einer der zahlreichen Inseln besser.

 

Alle Links und Übersichtskarten dieses Artikels

Stell- und Campingplätze (Links und GPS-Koordinaten)

Wanderungen mit GPS-Tracks zum Download

Unsere Empfehlung für die Reisevorbereitung:

Übersichtskarte unserer Route Balkanreise Teil 4

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2 Kommentare zu „Abenteuer Balkan – Albanien. Woche vier unserer Balkanreise

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  1. Hallo aus Tirol !
    Ein super Reisebericht ! Wirklich Top ! Wir wollen Montenegro – Skutari – Albanien bis Lefkada heuer im September machen ! Geht das auch mit unserem Womo – Länge 7,5m. Sind ja viele enge Straßen !!
    Lg aus Zirl
    Harry

    1. Hallo Harry, vielen Dank! Wir freuen uns immer wenn unsere Reiseberichte auch gelesen werden. Alles was wir gemacht haben geht auch mit einem etwas längerem WoMo. Einzig in Albanien die Fahrt auf dem Koman-Stausee, siehe Reisebericht “Albanien-unser Road-Trip Teil I” (https://m-mehle.de/albanien-mit-dem-wohnmobil-unser-road-trip-teil-i/#Koman-Stausee_ein_Highlight_Albaniens) wird bei Fahrzeugen über 6 Meter problematisch, da die Fähre doch sehr klein ist. Insgesamt sind die Straßen im Hinterland der jeweiligen Länder nicht so gut ausgebaut wie die Hauptrouten, aber immer fahrbar. Problematisch sind Fahrten bei Nacht, da Fahrbahnmarkierungen und auch schon mal ein Kanaldeckel fehlen.
      Wir wünschen viel Spaß bei Eurer Tour. Lefkada ist ja auch immer eine Reise wert…

      Liebe Grüße aus Franken
      Marten

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(c)Marten Mehle, 2019

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