Griechenland August 2011

Die Besteigung des Profitis Ilias,
dem mit  2404 Metern höchsten Berg des Peloponnes …

Griechenland 13.08.11 – 09.09.2011

Auch dieses Jahr fahren wir wieder nach Griechenland. Ziel ist abermals Finikounda. Da wir dort die letzten Jahre „ausflugstechnisch“ schon alles Sehenswerte abgegrast haben, planen wir für dieses Jahr einen Mehrtagesausflug in das Tygetos-Gebirge. Wir wollen den höchsten Berg des Peloponnes, den Profitis Ilias (2404 m), besteigen.
Nach zwei Wochen Badeferien in Finikounda fahren wir am

Mittwoch den 31.08.2011

morgens um 08:00 Uhr in Finikounda los. Bevor es Richtung Kalamata geht, decken wir uns noch mit Bordverpflegung in Form von Tyropita ein.
Wie schon gewohnt bekommt Christian auch dieses Jahr wieder seine Kurvenübelkeit, so dass wir bis Kalamata zwei Erholungspausen für ihn einlegen müssen.
Von Kalamata aus fahren wir Richtung Sparta durchs Tygetos-Gebirge. Leider hat sich die Natur hier seit unserem letzten Besuch im Jahr 2005 stark verändert. Durch die großen Brände der letzten Jahre sind ganze Berghänge, einst dicht bewaldet, jetzt komplett baumlos und kahl – ein schrecklicher Anblick. Leider sieht es nicht danach aus, dass in irgendeiner Form eine Art Wiederaufforstung betrieben würde. Daher ist es fraglich, ob sich die Natur jemals von dieser Brandrodung erholen wird.
Über Artemisia fahren wir bis auf die Passhöhe. Auf 1300 m liegt ein kleines Hotel mit angegliedertem Restaurant. Wir halten an und machen auf einer kleinen Bank mit herrlicher Aussicht in die Bergwelt –auf der nach Sparta zugewandten Seite des Taygetos hat es nicht gebrannt- unser Frühstück. Eine Katze umstreift unsere Beine, die Vögel zwitschern und ein riesiger Käfer krabbelt vor uns auf einer Mauer in die Sonnenstrahlen, um sich zu wärmen. Auf Grund des schattigen Waldes und der Höhe ist es um diese frühe Stunde noch direkt kühl hier oben.
Nachdem wir uns gestärkt haben, fahren wir weiter Richtung Sparta bzw. Mistra, unserem nächsten Ziel. Spektakulär windet sich die Passstraße bergab.
In Mistra angekommen muss Ella, Hunde sind leider innerhalb des Ausgrabungsgeländes nicht erlaubt, im Schatten eines Baumes auf uns warten.
Auch Mistra haben wir bereits schon einmal besucht. Christian war damals drei Jahre alt. Er kann sich daher nicht mehr so gut an diesen Besuch erinnern.


Wir erkunden also das Gelände erneut von oben nach unten. Auch dieses Mal begeistert uns die Ausgrabungsstätte mit ihren tollen Ausblicken über die Tiefebene Spartas.

Zurück am Auto, fahren wir von Mistra über Parori nach Aghios Ioanis. Von hier aus geht es auf einer spektakulären Passstraße nach Anavriti.
Anavriti ist ein kleines Dorf, das sich gut als Ausgangspunkt für unsere geplante Wanderung eignet. In der Ortsmitte, gegenüber der Dorftaverne befindet sich das Hotel Anavriti, in dem wir telefonisch ein Dreibettzimmer reserviert haben (Hotel Anavriti, Tel. 30/27310 29102). Die griechische Inhaberin ist in Kanada aufgewachsen und nach Griechenland zurückgekehrt Sie spricht somit perfekt Englisch, so dass eine Verständigung unproblematisch ist.

Wir beziehen unser hübsches Zimmer und erkunden zu Fuß die Ortschaft. Oberhalb von Anavriti zieht sich majestätisch und imposant der mächtige Taygetos-Gebirgszug dahin. Er markiert hier die Westflanke Lakoniens in Nord-Süd-Richtung als längste Bergkette auf dem Peloponnes, an deren südlichen Ende mit dem Profitis Ilias auch der höchsten Gipfel des gesamten Peloponnes steht. Durch Anavriti läuft der internationale Fernwanderweg E4, der von Diakofto im Norden des Peloponnes kommend, diesen durchquert und in Gythion im Süden endet. Morgen werden wir ein Stück dieses Weges laufen.

Doch zunächst machen wir es uns in der Dorftaverne gemütlich. Das Essen ist ausgezeichnet und bodenständig, nicht umsonst ist die Taverne bei griechischen Wochenendausflüglern beliebt. Mit Kefkedes, Bifteki, Patates, Zaziki, Suflaki, Horta und viel zu viel Wein beschließen wir den Tag.

Donnerstag, 01.09.2011

Um sieben Uhr weckt uns der Wecker. Frühstück haben wir für acht Uhr bestellt. Dieses erweist sich als sehr üppig und damit völlig untypisch für Griechenland. Obwohl wir die einzigen Gäste im Haus sind, gibt es Wurst, Käse, Marmelade, Honig, Joghurt, Eier, Milch, Orangensaft, Wasser, Tee, Kaffee und natürlich Brot. Verrückt für drei Leute!
Um 09:00 Uhr fahren wir los. Wir wollen zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, der Lakomata–Quelle. Am oberen Ortsausgang von Anavriti biegen wir an einer T-Kreuzung links ab. Auf unbefestigter Straße fahren wir ca. 30 Minuten bis an einer Abzweigung nach rechts „Lakomata“ ausgeschildert ist. Wenige Minuten später erreichen wir die Quelle und parken unseren Wagen.
Ab hier folgen wir dem Wanderzeichen des europäischen Fernwanderweges E4, einer gelben Raute mit der Beschriftung „E4“. Der Weg ist sehr gut gekennzeichnet und läuft durch traumhafte Bergwelt mit tollen Ausblicken stetig nach oben. Beeindruckend sind die riesigen Kiefern in den Waldstücken, die man quert und auf den offenen Flächen die Blumenvielfalt. Obwohl wir August haben, sind die Temperaturen zum Laufen sehr angenehm.

Auf diesem ersten Teilstück passiert man insgesamt drei Quellen, an denen man seine Wasservorräte auffüllen kann, bevor man nach ca. 2:45 Std. die Tygetos-Schutzhütte des Bergsteigervereins Sparta erreicht. Die liegt auf 1550 m und ist meistens geschlossen, so auch in unserem Fall.

Von hier aus erfolgt der eigentliche Aufstieg zum Profitis Ilias. Nach einer kurzen Pause verlassen wir den „E4“ und folgen der guten Beschilderung Richtung Gipfel. Von der Schutzhütte benötigen wir nochmal 2:15 Std. bis zum Gipfel. Direkt hinter ihr liegt die Baumgrenze.

Über Wiesen mit blühenden Disteln geht es weiter bergan.

Ab dem Sattel wird der Anstieg dann extrem. Im 45-Grad-Winkel geht der Weg über sehr lockeres Geröll nach oben, zusätzlich bläst ein starker kalter Wind. Wir haben Gott sei Dank, unsere Trekkingjacken dabei, die wir jetzt sehr gut gebrauchen können.

Kurz vor den Gipfel gibt Christian auf. Er weigert sich weiterzulaufen. Wir legen eine kurze Pause ein, dann laufe ich die letzten 200 Meter zum Gipfel. Ich stehe oben und winke –für Christian ist dies der letzte Motivationsschub.

Ein paar Minuten später stehen er und Maria überglücklich auf dem höchsten Berg des Peloponnes.
Gigantische 360 Grad Rundumsicht!

Der Ausblick ist unbeschreiblich, das Gefühl hier oben zu stehen, erhebend. Richtung Süden schweift der Blick über das absteigende Taygetos-Gebirge bis zum Meer, das durch die Mani in zwei Teile geteilt wird.

Richtung Norden blickt man über die Gebirgskette des Peloponnes bis zum Horizont. Im Westen erkennt man den kleinen Profitis Ilias, auf dem wir letzten Jahr waren, der zwischen Pylos und Kalamata bei Handinos liegt.

Auf dem kleinen Plateau des Gipfels ist aus Felssteinen eine kleine Kapelle ohne Dach gebaut. Zusätzlich gibt es noch kleine Unterstände, in denen manch einer anscheinend schon genächtigt hat.
Der Gipfel und die kleine Kapelle sind dem Propheten Ilias geweiht. Dazu gibt es folgende Geschichte:
Der Prophet Ilias war nach einem Bootsunglück auf See knapp dem Tode entkommen. Als er sich mithilfe eines Ruders wie durch ein Wunder an Land retten konnte, beschloss er, an höchster Stelle, wo kein Mensch ein Ruder als solches kenne, eine Kirche zu errichten. Er fragte den ersten Menschen, dem er begegnete: „Was ist das, was ich unter meinem Arm trage?“ Die Antwort war: „Ein Ruder“. Der Prophet schlug den Weg bergauf ein. Auch bei den nächsten Begegnungen bekam er die treffende Antwort. Demnach hatten die Leute hier immer noch einen Bezug zum Meer und kannten dessen Versuchungen. So beschloss er, die höchste Stelle zu erklimmen, wo er einen einsamen Ziegenhirten antraf. Er grüßte diesen freundlich und fragte: „Was ist das, was ich unter meinem Arm trage“?. Diesmal war die Antwort: „Ich weiß es nicht. Ich habe noch nie vorher so ein Ding gesehen.“ Da wusste der Prophet, hier, an höchster Stelle, werde er sein Haus bauen, wo die Menschen nicht das Mindeste mit dem Meer verband. Seither findet sich in ganz Griechenland jeweils auf den höchsten Berggipfeln eine Unterkunft des Propheten Ilias.
Im Schutz der Mauer packe ich unseren kleinen Kocher aus und koche einen Tee. Danach gibt es noch warme Gigantes (dicke Bohnen in Tomatensoße) aus der Dose und dazu Weißbrot. Die Verpflegung und den Kocher mitzunehmen, war eine gute Entscheidung. Wir sind gestärkt für den Rückweg. Nach etlichen Fotos packen wir unsere Sachen (und unseren Müll) und steigen in 1:20 Std zur Tygetos Schutzhütte ab. Auf gleichem Weg geht es von dort im Schnellschritt zurück zum Auto, das wir nach 2:15 Std. gegen 19:10 Uhr erreichen. Maria ist etwas beunruhigt, da es immer wieder nach Feuer riecht. Als mir ein Stück Ruß auf den Arm fliegt, mache auch ich mir so meine Gedanken … Ein Feuer ist aber nirgends zu sehen. Ziemlich erschöpft stellen wir fest, dass unsere Gesamtgehzeit ohne Pausen bei 8:35 Std. liegt – was für eine Wanderung! Christian hat sich wacker geschlagen und ist ganz stolz auf seine Leistung.
Als wir im Hotel ankommen, gibt es keinen Strom. Am Dorfplatz steht die Feuerwehr. Talabwärts hat es gebrannt und die Hauptstromleitung der Ortschaft erwischt.
Wir duschen erst einmal. In der Taverne gegenüber gibt man uns später zu verstehen, dass es ohne Strom auch kein Essen gäbe. Wein geht immer! Bis wir die erste Karaffe geleert haben, ist auch der Strom wieder da und wir lassen es uns richtig gut schmecken. In dieser Nacht schlafen wir alle sehr gut …!

Freitag, 02.09.2011

Wir verlassen Anavriti nach dem Frühstück. Als wir die Passstraße Richtung Sparta hinunterfahren, sehen wir, wo es gestern gebrannt hat. Links und rechts der Straße stehen verkohlte noch rauchende Bäume. Die Feuerwehr ist immer noch mit mehreren Einsatzzügen zu Gange. Wir fahren Richtung Gythion den Profiti Ilias immer rechter Hand im Blick, biegen jedoch ca. 10 Kilometer vor Gythion nach rechts ab Richtung Aghios Nikolaos. Wir wollen nach Stoupa. Dafür haben wir uns einen als landschaftlich besonders schön in der Karte gekennzeichneten Weg ausgewählt. Es geht recht kurvenreich zurück ins Gebirge über die hübsche Ortschaft Ag. Nikolaos. Wir passieren auf der Passhöhe das Kloster Kato Hora und überqueren den E4, der hier oben vorbeiläuft. Von hier ergibt sich eine tolle Aussicht, einerseits auf den messenischen andererseits auf den lakonischen Golf. Kurz darauf hört die Straßenbefestigung auf und es geht auf staubiger Schotterpiste bergab. Durch abgeschiedene karge Bergwelt verläuft die Straße, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordert. Über Neochori erreichen wir die Ortschaft Stoupa. Stoupa liegt in einer kleinen Bucht am Meer.

Schon lange einmal wollten wir diese Ortschaft besuchen, da wir schon viel von ihr im Internet gelesen hatten. Sie ist recht gut besucht, der kleine Strand ist ziemlich belegt. Zwischen Strand und erster Häuserreihe verläuft die schmale Dorfstraße an der sich jede Menge Tavernen und Souvenirgeschäfte aufreihen. Der Ort gefällt uns sehr gut. Wir bleiben zumindest zum Essen und kehren in der Taverne „Zu den fünf Brüdern“ ein.
Am Nachmittag kehren wir nach Finikounda mit einem kurzen Lidl-Stopp in Kalamata zurück.

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